Britische Geisel im Jemen ist frei

23. August 2015, 14:33
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Einheiten der Emirate befreien Ingenieur, der im Februar 2014 verschleppt worden ist

Abu Dhabi/London – Im Jemen ist ein Brite nach eineinhalb Jahren aus der Gewalt seiner Entführer befreit worden. Die Geisel sei bei einem Einsatz von Einheiten der Vereinigten Arabischen Emirate in Sicherheit gebracht worden, teilten die Behörden in London und Abu Dhabi am Sonntag mit.

Bei dem befreiten Briten handelt es nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur WAM in den Emiraten um den Erdölingenieur Douglas Robert Semple. WAM zufolge wurde der 64-jährige Semple im Februar 2014 von Mitgliedern des Terrornetzwerks Al-Kaida in der jemenitischen Provinz Hadramut verschleppt, einer weitläufigen Wüstengegend. Die Einsatzkräfte aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hätten den Briten im Zuge einer Militäroperation befreit. Anschließend sei er in die südjemenitische Hafenstadt Aden gebracht und von dort nach Abu Dhabi geflogen worden. Weitere Details zu dem Einsatz wurden nicht genannt.

Außenminister Hammond bestätigt

Großbritanniens Außenminister Philip Hammond bestätigte die Freilassung und dankte den Emiraten für die Unterstützung. "Ich freue mich bestätigen zu können, dass eine britische Geisel, die im Jemen festgehalten wurde, von Einheiten der Vereinigten Arabischen Emirate bei einer militärischen Geheimdienstoperation befreit wurde", erklärte Hammond. Der befreiten Geisel gehe es gut.

Laut WAM hatte der Kronprinz von Abu Dhabi, Scheich Mohammed bin Sajed al-Nahajan, den britischen Premierminister David Cameron in der Nacht zum Sonntag telefonisch über den Einsatz informiert. Cameron dankte über den Kurznachrichtendienst Twitter für die Befreiungsaktion. Die Behörden in den Emiraten erklärten, die Aktion zeige die Entschlossenheit des Landes, "den Terrorismus in allen Formen zu bekämpfen".

Semple wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur WAM am Flughafen von Abu Dhabi von örtlichen Behördenvertretern und dem britischen Botschafter empfangen. Anschließend sei er zu ärztlichen Untersuchungen in ein Krankenhaus gebracht worden. Zudem habe er am Telefon mit seiner Frau gesprochen, hieß es. Im Anschluss an die Untersuchungen sollte Semple nach Großbritannien zurückkehren.

Pfand in Konflikten

Im Jemen sind in den vergangenen 15 Jahren hunderte Menschen entführt worden. Häufig werden sie von Stammesangehörigen verschleppt, die die Geiseln als Pfand in ihren Konflikten mit der Zentralregierung in Sanaa benutzen. Allerdings nutzte Al-Kaida zuletzt das Chaos im Jemen angesichts des bewaffneten Konflikts zwischen den von Saudi-Arabien unterstützten Regierungstruppen und den Houthi-Rebellen, um seinen Einfluss auszuweiten und Gebiete zu erobern. An der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition in dem Konflikt sind auch die Emirate beteiligt.

Die meisten Geiseln kamen bisher unversehrt wieder frei. Im vergangenen Jahr war der britische Lehrer Mike Harvey nach fünf Monaten in Geiselhaft nach Verhandlungen der jemenitischen Regierung mit den Entführern wieder freigekommen. Erst Anfang August war die Französin Isabelle Prime nach fünfmonatiger Geiselhaft im Jemen in ihre Heimat zurückgekehrt.

Tragisch endete dagegen die Entführung einer Familie aus Sachsen. Die Eltern, ihre damals drei und fünf Jahren alten Töchter und der knapp einjährige Sohn waren im Juni 2009 im nördlichen Jemen verschleppt worden. Während die beiden Töchter im Mai 2010 freikamen, wurde im September vergangenen Jahres der Tod der Eltern und des Sohnes bestätigt. (APA, 23.8.2015)

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