Thalys-Angriff: Retter in Ehrenlegion aufgenommen

24. August 2015, 10:13
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Verdächtiger war als Drogenhändler und Islamist im Visier der Behörden – Er bestreitet Terrorabsichten

Paris – Für ihren mutigen Einsatz gegen einen schwerbewaffneten Angreifer in einem Thalys-Schnellzug nach Paris sind drei US-Bürger und ein Brite mit dem höchsten französischen Orden geehrt worden. Frankreichs Präsident François Hollande ernannte die vier Männer – unter ihnen zwei US-Soldaten – am Montagvormittag im Pariser Elysée-Palast zu Rittern der französischen Ehrenlegion.

Die vier Männer hätten mit ihrem mutigen Einsatz ein wahres "Blutbad" verhindert und dabei ihr eigenes Leben riskiert, sagte der Staatschef bei der Zeremonie im Präsidialamt.

Hollande geht von terroristischen Absichten des Angreifers aus. "Eine Person hatte entschieden, einen Anschlag im Thalys zu begehen", sagte er im Hinblick auf den am Freitag festgenommenen 25-jährigen Marokkaner. "Er hatte genug Waffen und Munition, um ein Blutbad anzurichten." Dies hätte er auch gemacht, wenn nicht einige Fahrgäste eingeschritten wären, betonte der Staatschef bei einer Zeremonie.

Im Visier der Behörden

Der 23-jährige US-Soldat Spencer Stone, der 22-jährige Soldat Alek Skarlatos, der 23-jährige US-Student Anthony Sadler und der 62-jährige Brite Chris Norman hatten am Freitag im Thalys von Amsterdam nach Paris den schwer bewaffneten Angreifer überwältigt. Stone und ein Passagier wurden schwer verletzt. Der verletzte Passagier soll zu einem späteren Zeitpunkt in die französische Ehrenlegion aufgenommen werden, ebenso wie ein 28-jähriger Franzose, der sich als erster dem Angreifer entgegenstellte und der anonym bleiben will.

Der 25-jährige Angreifer war mit einer Kalaschnikow, einer Pistole und einem Teppichmesser in den Zug gestiegen. Die Ermittler vermuten, dass der den Geheimdiensten als Islamist bekannte Mann einen Anschlag verüben wollte. Er selbst weist dies nach Angaben seiner Anwältin zurück und spricht von einem versuchten Raub. Seine Erklärung für den Vorfall: Er wollte Passagiere im Thalys erpressen, anschließend ein Fenster einschießen und dadurch flüchten. Er bestreitet demnach auch, geschossen zu haben – die Kalaschnikow habe nicht funktioniert. Auch eine Reise in die Türkei und nach Syrien bestritt er, wie David der Zeitung "Le Parisien" sagte.

Vater nimmt Sohn in Schutz

Der Vater des Verdächtigen nahm ihn am Sonntag in Schutz. "Er war ein guter Junge, sehr fleißig", sagte Mohamed E. über seinen Sohn laut einem Bericht der britischen Zeitung "The Telegraph".

Er räumte ein, dass er keine Ahnung habe, was seinen Sohn zu der Tat veranlasst habe, da er seit mehr als einem Jahr nicht mehr mit ihm gesprochen habe. Ein politisches Motiv hielt er allerdings für unwahrscheinlich. Sein Sohn habe "nie über Politik gesprochen, nur über Fußball und Fischen", sagte er laut "Telegraph". (APA, dpa, 24.8.2015)

  • Francois Hollande gratuliert US-Soldat Spencer Stone, der wie Alek Skarlatos, ebenfalls US-Soldat, sowie ein US-Student und ein Brite mit dem höchsten französischen Orden geehrt wird.
    foto: ap/euler

    Francois Hollande gratuliert US-Soldat Spencer Stone, der wie Alek Skarlatos, ebenfalls US-Soldat, sowie ein US-Student und ein Brite mit dem höchsten französischen Orden geehrt wird.

  • Nach dem Vorfall patrouillierten Polizisten an der Brüsseler Midi-Station.
    foto: epa/stephanie lecocq

    Nach dem Vorfall patrouillierten Polizisten an der Brüsseler Midi-Station.

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