Britischer Außenminister im Iran: "Beidseitige Erblast des Misstrauens"

24. August 2015, 12:24
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Teheran und London eröffnen diplomatische Vertretung wieder

Teheran – Der britische Außenminister Philip Hammond erwartet eine Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran im Frühling 2016. Das sagte er am Montag der Nachrichtenagentur Reuters während seines Besuchs in Teheran. Hammond erwartet, dass die USA und der Iran das im Juli in Wien vereinbarte Atomabkommen bis Oktober billigen werden.

Hammond betonte, dass Vorbereitungsarbeiten vor der Sanktionsaufhebung begonnen werden sollten, sodass dann, sobald die Strafmaßnahmen beiseitegeräumt wurden, Investitionen getätigt werden könnten. Hammond, der am Montag den iranischen Präsidenten Hassan Rohani getroffen hatte, betonte, dass Rohani ein starkes Interesse an Dialog gezeigt habe.

Zusammenarbeit gegen IS

Rohani sprach sich dafür aus, die Differenzen Teherans mit London beizulegen. "Wir sollten nicht in der Geschichte verharren, sondern mit Blick in die Zukunft neu agieren", sagte Rohani bei dem Treffen mit Hammond. Die Krisen in der Region und der Kampf gegen die jihadistische Organisation "Islamischer Staat" (IS) machten diese neue Zusammenarbeit notwendiger denn je, sagte Rohani.

Die Atomeinigung könne in eine neue Ära der Zusammenarbeit des Irans mit dem Westen führen. "Wir werde unsere Verpflichtungen aus dem Atomabkommen erfüllen", versprach Rohani. Eine regionale Zusammenarbeit könnte auch eine Lösung des Flüchtlingsdramas in Europa ermöglichen. "Wir könnten zusammen dafür sorgen, dass die Flüchtlinge wieder sicher in ihre Länder zurückkehren können."

Wiedereröffnung

Nach fast vier Jahren hatte Hammond am Sonntag die britische Botschaft im Iran wiedereröffnet. Er sprach dabei von einem "Wendepunkt" in den bilateralen Beziehungen. Auch begrüßte Hammond die neue Zusammenarbeit mit Teheran, besonders im Kampf gegen die IS-Extremisten.

Trotz Einigkeit hinsichtlich der Notwendigkeit der Bekämpfung der radikalsunnitischen IS-Extremisten gibt es nach Ansicht Hammonds aber noch Uneinigkeit, etwa in Menschenrechtsfragen. "Obwohl der historische Schritt (der Atomdeal, Anm.) eine Lockerung der Spannungen zwischen der Islamischen Republik und der westlichen Mächte markiert, gibt es noch Meinungsverschiedenheiten bei wichtigen Schlüsselthemen", so Hammond laut mehreren Medienberichten. Es gebe noch ein tiefes Erbe von Misstrauen auf beiden Seiten, und man habe bei wichtigen Fragen substanzielle Differenzen, sagte Hammond vor seiner Unterredung mit Rohani dem TV-Sender BBC.

Außerdem meinte der britische Außenminister, dass die aktuelle iranische Regierung unter Präsident Rohani einen nuancierteren Zugang zu Israel habe als ihre Vorgängerregierung (unter dem Hardliner-Präsidenten Mahmud Ahmadi-Nejad, Anm.). Er fügte jedoch hinzu, dass man Teheran an seinen Taten und nicht an seinen Worten messe. (Reuters, 23.8.2015)

  • Die britische Botschaft in Teheran.
    foto: apa/taherkenareh

    Die britische Botschaft in Teheran.

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