Angriff auf Zug: Mutmaßlicher Attentäter formal identifiziert

22. August 2015, 21:35
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25-jähriger Marokkaner als radikaler Islamist eingestuft, lebte sieben Jahre in Spanien – Verletzter US-Soldat Stone hat Klinik verlassen

Paris – Der mutmaßliche Thalys-Attentäter ist formal identifiziert worden. Bei dem Verdächtigen handle es sich um einen Marokkaner, der von den spanischen Geheimdiensten als radikaler Islamist eingestuft worden sei, verlautete am Samstag aus Pariser Polizeikreisen.

Der 25 Jahre alte Mann sei anhand verschiedener Elemente identifiziert worden, darunter seinen digitalen Fingerabdrücken. Der Polizeigewahrsam für den mutmaßlichen Attentäter wurde am Abend verlängert.

Reise nach Syrien

Nach Angaben der spanischen Ermittler lebte er sieben Jahre lang in Spanien – zunächst in Madrid, dann bis 2014 in Algeciras, dann sei er über Frankreich ins Bürgerkriegsland Syrien gereist. Am 10. Mai hielt er sich nach Erkenntnissen der französischen Behörden in Berlin auf. Von hier aus sei er in die Türkei geflogen, nach seiner Rückkehr habe er dann in Belgien gewohnt.

Erfolgreich operiert

Unterdessen konnte der verletzte US-Soldat Spencer Stone, der den Verdächtigen gemeinsam mit anderen überwältigt hatte, die Klinik in Lille wieder verlassen, wo er operiert worden war. Der Eingriff an der Hand sei "erfolgreich" verlaufen, hieß es aus ärztlichen Quellen. Stone hatte fast seinen Daumen verloren, weil der Verdächtige ihn mit einem Messer angegriffen hatte.

Am Abend telefonierte US-Präsident Barack Obama mit den drei US-Bürgern, die den Angreifer überwältigt hatten. Er habe Stone, Aleksander Skarlatos und Anthony Sadler zu ihrer "außergewöhnlichen Tapferkeit" gratuliert, teilte das Weiße Haus in Washington mit.

Hollande empfängt Passagiere

Frankreichs Präsident Francois Hollande dankte Obama in einem Telefonat für das "vorbildliche Verhalten" der jungen Amerikaner. Hollande will die als Helden gefeierten Passagiere, die sich dem Angreifer entgegenstellten, am Montagmorgen im Elysee-Palast empfangen, wie aus seinem Umfeld verlautete. Neben den US-Bürgern sind auch ein 62-jähriger Brite und ein junger Franzose eingeladen.

Der Angreifer war mit einer Kalaschnikow, einer Pistole und einem Teppichmesser bewaffnet, als er am frühen Freitagabend in Brüssel in den Thalys von Amsterdam nach Paris stieg. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, als der Täter mit dem Schnellfeuergewehr über der Schulter die Zugtoilette verließ, habe zunächst ein französischer Passagier ihn aufzuhalten versucht. Der Angreifer habe dabei mehrere Schüsse abgegeben, wobei ein Passagier getroffen wurde. Anschließend überwältigten die beiden US-Soldaten Stone und Skarlatos sowie der mit ihnen befreundete US-Student Sadler den Angreifer. (APA, 22.8.2015)

  • Ein belgischer Polizist patrouilliert bei einem Thalys-Zug in Brüssel.
    foto: apa/epa/lecoq

    Ein belgischer Polizist patrouilliert bei einem Thalys-Zug in Brüssel.

  • Spencer Stone wurde an der Hand verletzt.
    foto: reuters

    Spencer Stone wurde an der Hand verletzt.

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