19-Jähriger schreibt Marathon-Geschichte

22. August 2015, 16:40
67 Postings

Ghirmay Ghebreslassie jüngster Weltmeister über 42,195 km und erster aus Eritrea – Österreicher Kemboi auf Platz 32 – Farah läuft zu 10.000-m-Gold

Peking – Mit dem überraschenden Erfolg des erst 19-jährigen Ghirmay Ghebreslassie hat die erste Medaillenentscheidung bei den 15. Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Peking geendet. Der junge Mann aus Eritrea verschaffte seinem Land am Samstag den ersten Goldmedaillengewinn bei Welttitelkämpfen überhaupt. Der Österreicher Edwin Kemboi wurde 32. Seinen Titel über 10.000 m konnte der Brite Mohamed "Mo" Farah verteidigen, Gold im Kugelstoßen ging an die Deutsche Christina Schwanitz.

Bei seinem erst vierten Marathonstart fehlte es dem unter niederländischen Fittichen stehenden Ghebreslassie noch an Erfahrung, er hat überhaupt erst zwei Marathons beendet und dieses Mal lief er sogar länger als nötig: er wurde im Olympiastadion erst von den Siebenkämpferinnen bei der Hochsprunganlage gestoppt. "Ich war mir nicht sicher, wann aus ist. Ich habe noch nie einen Marathon in einem Stadion beendet", sagte der Läufer, der nun jüngster Weltmeister über 42,195 km aller Zeiten ist.

Kenianer abgeschlagen

Ghebreslassie hatte sich in 2:12:27 Stunden vor dem Äthiopier Yemane Tsegay (2:13:07) und Munyo Solomon Mutai aus Uganda (2:13:29) durchgesetzt. Olympiasieger und Titelverteidiger Stephen Kiprotich aus Uganda ging als Sechster leer aus, ebenso wie die Kenianer, die ein Debakel erlebten. Weltrekordler Dennis Kimetto und sein Vorgänger Wilson Kipsang stiegen nach 30 Kilometern aus. Bester Kenianer wurde Mark Korir als 22.

"Wenn man hart arbeitet, ist alles möglich", sagte Ghebreslassie, dessen Eltern sein Potenzial eher in der Universität als im Laufen gesehen hatten. "Sie haben mich anfangs nicht unterstützt. Das wird für sie jetzt die größte Überraschung sein. Vor zwei Wochen haben sie mir gesagt, dass ich Gold gewinnen soll." Nun für Eritrea Geschichte geschrieben zu haben, sei sehr speziell. Die Bestzeit des von Manager Jos Hermens betreuten Athleten stammt mit 2:07:47 Stunden von Platz zwei heuer in Hamburg.

Kemboi einer von 42 Glücklichen

Österreich war in der ersten von 47 WM-Entscheidungen durch den im Vorjahr eingebürgerten Kemboi vertreten. "Es war sehr heiß, die Luftfeuchtigkeit war sehr hoch. Es war wichtig, viel zu trinken, obwohl das Wasser und die Eigenverpflegung in der Sonne standen und ganz heiß waren. Bei Kilometer zehn habe ich meine Zeit gesehen und für mich entschieden, dass ich mein eigenes Tempo gehen muss, wenn ich ins Ziel kommen will." Anfang war das Tempo sehr moderat, Kemboi lief sogar einmal in der Spitzenposition. Er kam durch, viele andere jedoch nicht. Insgesamt 42 erreichten das Ziel, 25 gaben auf.

Mit seinem Debüt bei einer internationalen Meisterschaft war Kemboi zufrieden. "Es war eine gute Erfahrung". Als nächstes plant er die Marathons in Dubai und Rotterdam, das Olympia-Limit von 2:14:00 ist das Ziel. Für Montag ist die Rückreise nach Kenia zu seiner schwangeren Ehefrau Anja Prieler-Kemboi geplant.

Der Marathon fand unter blauem Himmel statt, eine Seltenheit in der smogverseuchten Metropole. Auch wegen der Feierlichkeiten zum Ende des zweiten Weltkrieges haben die Behörden verfügt, dass der Autoverkehr halbiert und die Kohlekraftwerke ihren Betrieb einstellen mussten.

Farah wieder auf Doublejagd

Der 32-jährige Farah hat erfolgreich den ersten Schritt zum fünften Langstrecken-Double seiner Karriere bei Großereignissen nach der EM in Barcelona (2010), Olympia in London (2012), der WM in Moskau (2013) und der EM in Zürich (2014) gemacht. Weltweit hält er bei sechs großen Langstrecken-Titeln in Folge. 2011 bei der WM in Daegu hatte Farah über 10.000 m als Zweiter eine Niederlage hinnehmen müssen, die 5.000 m holte er sich, seitdem ist er bei internationalen Meisterschaften ungeschlagen.

Im Olympiastadion von Peking gewann Farah in 27:01,13 Minuten vor den beiden Kenianern Geoffrey Kamworor (27:01,76) und Paul Tanui (27:02,83). Die 5.000 m stehen am nächsten Samstag auf dem Programm.

Schwanitz mit der Kugel zu Gold

Der Titel im Kugelstoßen ging an die Deutsche Christina Schwanitz, die mit 20,37 m vor der Chinesin Gong Lijiao (20,30) und der US-Amerikanerin Michele Carter (19,76) gewann. Titelverteidigerin Valerie Adams aus Neuseeland war wegen Operationen an Schulter, Ellbogen und Knie nicht am Start. Im Siebenkampf der Frauen liegt nach dem ersten Tag und vier Disziplinen die Britin Jessica Ennis-Hill mit 4.005 Punkten vor ihrer Landsfrau Katarina Johnson-Thompson (3.925) in Front. (APA, 22.8.2015)

  • Ghirmay Ghebreslassie, neuer Weltmeister im Marathon.
    foto: reuters/dylan martinez

    Ghirmay Ghebreslassie, neuer Weltmeister im Marathon.

Share if you care.