Und es waren doch die Treibhausgase

23. August 2015, 13:00
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Eine neue Studie zeigt, dass schon am Ende der Eiszeit vor rund 11.000 Jahren Treibhausgase die treibende Kraft beim Schmelzen der Gletscher waren

London/Wien – Dass Vertreter der FPÖ in Sachen Klimawandel wissenschaftlich unhaltbare Meinungen vertreten, wurde einer Million Fernsehzuschauern Anfang dieser Woche mehr oder weniger unwidersprochen vor Augen geführt.

"Fakt ist es, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis für einen kausalen Zusammenhang zwischen der CO2-Konzentration in der Luft und der Veränderung des Klimas gibt", fabulierte die FPÖ-Umweltsprecherin. Und ihr Obmann sekundierte live, dass am früheren Klimawandel, etwa nach der Eiszeit, auch nicht der Mensch schuld war. Deshalb könne man nicht sagen, ob der CO2-Ausstoß die Erde erwärme. Für Nachfragen war dann keine Zeit mehr.

Doch nicht nur FPÖ-Politiker, auch Werner Gruber, Österreichs präsentester Wissenschaftspopularisator und am Freitagabend Kanzlerfest-Experimentator, vertritt in dieser Frage eigenwillige Ansichten. Wir wüssten nicht, warum es seit 1900 wärmer wird, sagte er kürzlich in einem "Kurier"-Interview. "Der von Menschen produzierte CO2-Ausstoß verursacht nicht den überwiegenden Anteil des Klimawandels."

Dass es einen Zusammenhang zwischen mehr CO2 und der globalen Erwärmung gibt, wurde bereits 1895 vom Chemiker Svante Arrhenius behauptet. Seitdem häuften sich die Beweise für die wärmende Wirkung der Treibhausgase. Die jüngste Studie kommt aus den USA und kann auf Basis neuer Methoden zeigen, dass auch das Ende der Eiszeit und das Abschmelzen der Gletscher vor allem auf den damaligen Anstieg von CO2 zurückging – und nicht etwa auf Schwankungen der Sonnenaktivität oder Änderungen der Meeresströmungen.

Das Team um Jeremy Shakun hat mehr als 1.000 Felsbrocken rund um den Globus untersucht, die nach der Eiszeit nicht mehr von Gletschern bedeckt waren. Aufgrund der gemessenen Konzentration von Beryllium-10, das durch kosmische Strahlung entsteht, konnten die Forscher bestätigen, dass das Abschmelzen gleichzeitig erfolgte, wie sie in "Nature Communications" schreiben.

Das wiederum bedeutet, dass die damalige Erhöhung des CO2-Anteils in der Atmosphäre von 180 ppm (parts per million, Masseanteil pro Volumen) während der Eiszeit auf 280 ppm danach für das Abschmelzen der Gletscher verantwortlich war. Damals dauerte das 6.000 Jahre. Zum Vergleich: Der Mensch schaffte es in den letzten 150 Jahren, den CO2-Anteil von rund 300 ppm auf aktuell 400 ppm zu erhöhen. (tasch, 22. 8. 2015)

  • Der Gletscherschwund am Beispiel des Glacier-Nationalparks in Montana/USA: Das Foto oben entstand 1913, das darunter 100 Jahre später. Die Ursache für das große Schmelzen ist die gleiche wie am Ende der Eiszeit: höhere Konzentrationen von Kohlendioxid in der Atmosphäre.
    foto: ap photo/glacier national park

    Der Gletscherschwund am Beispiel des Glacier-Nationalparks in Montana/USA: Das Foto oben entstand 1913, das darunter 100 Jahre später. Die Ursache für das große Schmelzen ist die gleiche wie am Ende der Eiszeit: höhere Konzentrationen von Kohlendioxid in der Atmosphäre.

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