Die Bloggerin, die nicht mehr länger zusehen wollte

21. August 2015, 19:03
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Madeleine Alizadeh setzt sich für Flüchtlinge ein

Es gibt diesen einen Moment im Leben der Lifestyle-Bloggerin Madeleine Alizadeh, an dem sie einfach nicht mehr zusehen mochte. An dem plötzlich die Flüchtlingskrise, kristallisiert im überfüllten Lager Traiskirchen, zum bestimmenden Motiv wurde. Engagiert hatte sich Alizadeh, die unter dem Pseudonym DariaDaria bloggt, schon zuvor: Sie schreibt über Mode und Kosmetik, die vorgestellten Produkte sind ausschließlich vegan und umweltverträglich produziert.

Doch Anfang August reiste Alizadeh nach Traiskirchen, um Spenden abzugeben. Bald darauf kam sie wieder und verbrachte den ganzen Tag dort. Den nächsten Tag ebenso. Daraus wurden zwei Wochen, in denen sie junge Syrer, geflohene Afghaninnen und irakische Familien kennenlernte. "Es hat mich sehr mitgenommen", erzählt Alizadeh.

"Viele fühlten sich kalt erwischt"

Doch sie weiß, dass sie durch ihren Status als populäre Modebloggerin auch jene erreichen kann, die sich bislang wenig mit der Materie beschäftigen: Rund 60.000 Leute klicken monatlich auf ihre Seite, die meisten davon sind unter 24 Jahre alt. Alizadeh bemerkte, dass auch ihre Fans anfingen, Spenden für Traiskirchen zu sammeln. "Viele fühlten sich kalt erwischt", erzählt sie, "doch die meisten sehen es positiv." Sie fand prompt eine Unterkunft für eine irakische Familie, diese durfte Traiskirchen jedoch noch nicht verlassen.

Das regte Alizadeh auf: Sie veröffentlichte einen offenen Brief an das Innenministerium, der hunderte Male verbreitet wurde. "Wenn jeder Blogger nur einen Beitrag dafür leisten könnte, hätte das eine gewaltige Wirkung", sagt sie jetzt. Tatsächlich bewegte sich etwas: Am Donnerstag durfte die Familie Traiskirchen verlassen und in eine neue, private Unterkunft ziehen.

Der "turbulenteste Tag" ihres Lebens

Für Alizadeh war es der "turbulenteste Tag" ihres Lebens. Jetzt ist sie erst einmal in Berlin, wo sie als Bloggerin an einem Event teilnimmt – in einer Parallelwelt zu Traiskirchen, wie sie sagt. Dass ihr neben den Leidenschaften Lifestyle und Mode das Politische am Herzen liegt, dürfte an Alizadehs Elternhaus liegen.

Ihr Vater stammt aus dem Iran und wanderte in den 1970ern nach Österreich aus. Nach der Islamischen Revolution half er Flüchtlingen, nahm sie auch bei sich auf. "Mein Engagement kommt nicht von irgendwoher", sagt Alizadeh, die nach Unterkünften für weitere Familien sucht. Nach Traiskirchen will sie künftig "nur mehr zweimal pro Woche" – tatenlos zusehen will sie hingegen nie mehr wieder. (Fabian Schmid, 20.8. 2015)

  • Madeleine Alizadeh: von der Modebloggerin zur Helferin.
    maximilian salzer

    Madeleine Alizadeh: von der Modebloggerin zur Helferin.

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