Krise der Forschungsfinanzierung: Die große Wurstigkeit

Kommentar21. August 2015, 17:52
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Politiker denken in Netzwerken und in öffentlichkeitswirksamen Einzelaktionen

Wenn Wissenschafter, von Berufs wegen faktenorientierte und besonnene Menschen, von drohendem "Kollaps" reden, dann ist tatsächlich Feuer am Dach. 70 bis 100 Millionen Euro jährlich bräuchte der Wissenschaftsfonds FWF mehr, heißt es in zwei aktuellen Stellungnahmen heimischer Top-Forscher, wolle man nicht die Grundlagenforschung hierzulande weiter aushungern und damit die "Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Prosperität" Österreichs schwächen.

Die Appelle werden sicher gehört und wohlwollend zur Kenntnis genommen – fast eineinhalb Jahre nachdem das FWF-Budget bis 2018 einzementiert wurde. Es ist aber zu befürchten, dass Österreichs Forschungspolitiker danach wieder in die schon lange währende Wurstigkeit gegenüber der Grundlagenforschung insgesamt fallen. Zuletzt hat man zwar gut 70 bis 80 Millionen jährlich an Steuererleichterungen für forschende Unternehmen ermöglicht und den Molekularbiologen Josef Penninger mit stolz geschwellter Brust – dank 20 Millionen Euro extra für sein Institut – in Wien gehalten. Beim FWF hieß es aber stets: Leider nein, kein Geld.

Die Schlussfolgerung daraus ist klar: Politiker denken in Netzwerken und in öffentlichkeitswirksamen Einzelaktionen. Sie denken, so wiedergewählt zu werden. Um den Wohlstand in diesem Land zu halten, ist das aber deutlich zu wenig. (Peter Illetschko, 21.8.2015)

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