Zoff um Geld und Schweinepreise

22. August 2015, 14:00
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Wahrscheinlich spätere Auszahlung von EU-Agrarsubventionen empört Bauern

Wien – Viel Kritik muss sich Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP), teilweise aus seinen eigenen Reihen, derzeit gefallen lassen. Vor allem empört die Bauern und deren Interessenvertreter, dass Fördergelder, die traditionellerweise immer vor Weihnachten ausgezahlt werden, heuer später kommen könnten.

Der Grund: die großflächige Reform der EU-Agrarpolitik (GAP) und damit der auszuzahlenden Subventionen an die Bauern. Im Förderjahr 2015 wird dies erstmals schlagend. Christine Pichler-Brix, Obfrau der Berg- und Kleinbauernvereinigung ÖBV-Via Campesina Austria, weist in einer Aussendung darauf hin, dass die Fördergelder – und da vor allem die Direktzahlungen – für viele Bauern ein wichtiger Bestandteil des Einkommens sind.

Darum, dass Weihnachten heuer für die Branche nicht gar zu karg ausfällt, bemüht sich das Landwirtschaftsministerium. "Allerdings müssen wir EU-konform vorgehen", heißt es. Konkret will man, dass zumindest Teile der Förderungen ausgezahlt werden dürfen, noch bevor die wichtigsten GAP-Umstellungen abgeschlossen sind. Es handelt sich um eine Menge Geld. Die Auszahlungen belaufen sich auf 1,35 Milliarden Euro.

Zu viel Grillfleisch

Einkommensprobleme gibt es auch auf anderen Ebenen, und zwar bei Milch und Schweinefleisch. Beides ist auf niedrigem Niveau. Bei der Milch ist der Preis eine Folge des europäischen Überangebots nach dem Fall der Milchquoten, der STANDARD berichtete.

Beim Schweinefleisch ist die Situation ähnlich. Auch da wird zu viel produziert und die Lager sind voll. Das Russland-Embargo schlägt in diesem Segment voll durch. Zu einer Entlastung durch den Inlandskonsum ist es nicht gekommen. Da der Sommer so heiß war, haben viele von dem Freizeitvergnügen Grillen im Freien abgesehen.

Der oberösterreichische Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger (ÖVP) hat laut APA davor gewarnt, dass viele Schweinebauern aufgrund des Preisverfalls in den kommenden Jahren möglicherweise zusperren müssten. Die Betriebe könnten ihre Produktionskosten immer weniger decken und würden Verluste machen. Ein Betrieb mit etwa 100 Schweinen würde heuer etwa ein Minus von 30.000 Euro einfahren.

Hilfe für die Bauern

Nun soll bei einem Agrar-Sonderrat am 7. September in Brüssel besprochen werden, wie den Milch- und Schweinebauern geholfen werden kann. Wahrscheinlich wird es zu "Marktleistungspaketen" kommen. D. h., es gibt ein Bündel von Absatzfördermaßnahmen. Dies beinhaltet vor allem die Ankurbelung prospektiver neuer Auslandsmärkte und das Ankurbeln des Inlandskonsums über Werbemaßnahmen. Dass so etwas langfristig wirksam sein kann, bezweifeln Beobachter. Über kurz oder lang müsse es zu einer Marktbereinigung in dem Sektor kommen, heißt es. (Johanna Ruzicka, 22.8.2015)

  • Die  Schweinebestände in Österreich  sind auf knapp  2,8 Millionen Stück zurückgegangen, so die Statistik Austria.  Dennoch ist der Fleischpreis tief.
    apa/fohringer

    Die Schweinebestände in Österreich sind auf knapp 2,8 Millionen Stück zurückgegangen, so die Statistik Austria. Dennoch ist der Fleischpreis tief.

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