Junges Publikum für wache Geister

21. August 2015, 16:45
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Der Reichenauer Thalhof, die "Wortwiege an der Rax", geht mit dem Spätsommer-Spiel ab Sonntag in seine zweite Kurzsaison. Eine spezielle Ermäßigung soll vor allem auch junges Publikum auf den Thalhof locken

Reichenau – Es scheint, der Sommer neigt sich dem Ende zu: Die Theater- und Musikfestivals packen ihre Zelte wieder ein, pittoreske Schlossinnenhöfe verwaisen wieder.

Damit es dem Thalhof in Reichenau nicht so ergeht, lädt Neointendantin Anna Maria Krassnigg gleich viermal im Jahr ein. Am Sonntag eröffnet mit dem Spätsommer-Spiel ihre zweite kurze "Saison" an der Rax.

Dabei werden nicht nur mit der Dramatisierung von Robert Neumanns Hochstaplernovelle (Premiere war bei den Frühsommer-Spielen) Jahrhundertwendegeist und Gegenwart verknüpft. Auch die einmalig aufgeführte Eröffnungsproduktion spürt damals wie heute Gültigem nach: Träume, Sehnsüchte und Ängste des Lebens – der Jugend und des Alters – sind Thema in Traum ein Leben (Regie: Simon Dworaczek), einem Projekt von Studierenden der Sommerakademie der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Franz Grillparzers Novelle trifft darin auf Musik u. a. von Franz Schubert.

Unverwüstliche Fragen treiben aber auch Wilfried Steiner um. Seine Romane Der Weg nach Xanadu, Bacons Finsternis und Die Anatomie der Träume gehen der Vereinbarkeit von Leben, Liebe und Kunst nach. Als Triptychon der Künste präsentiert er tragikomische Porträts von Francis Bacon, Gustav Mahler, Sigmund Freud und anderen am 30. 8. in einer szenischen Lesung, um sich danach im Rahmen der Reihe Spiel-Ball dem Gespräch mit Krassnigg zu stellen.

Weitere Gesprächs- und Vortragsrunden bestreiten der Literaturwissenschafter Wolfgang Müller-Funk (zu Josef Roth), Schriftsteller Erwin Riess (zu "genialen Außenseitern"), Jugendpsychiater und Autor Paulus Hochgatterer (über "Freud und die Folgen") und Tausendsassa Max Gruber (über Wien und den schwarzen Humor).

Dem Ziel, neben jungen Künstlern auch junges Publikum auf den Thalhof zu holen, kommt dieser mit dem U25-Special einen Schritt näher: Für alle unter 25 Jahren gibt es ermäßigte Eintrittskarten um 2,50 €. (Michael Wurmitzer, 21.8.2015)

  • Martin Schwanda in der Hochstaplernovelle, die am Thalhof Fin de Siècle und Gegenwart verknüpft.
    foto: christian mair

    Martin Schwanda in der Hochstaplernovelle, die am Thalhof Fin de Siècle und Gegenwart verknüpft.


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