GoPro Session: Der Würfel will gefallen

Video23. August 2015, 15:00
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Der Actioncam-Marktführer bringt einen abgespeckten Kamerazwerg auf den Markt

Das Fazit gleich vorweg: "Na ja". Denn: Handlich und robust ist sie ja, die neue GoPro. Aber für den Preis ist das, was die Session kann, dann doch ein bisserl gar wenig. Und die Zielgruppe derer, die sich eine Zweit-Actioncam zulegt, ist wohl ein bisserl sehr spezifisch.

Aber der Reihe nach:

Anfang des Sommers schickte der US-Hersteller der kleinen unkaputtbaren und deppensicheren Sportkameras die Ankündigung einer neuen, noch kleineren Kamera in die Welt. Motto: "Leute, wir haben die GoPro geschrumpft!" Und zum Würfel komprimiert. Im Juli kam das Ding mit nicht ganz vier Zentimetern Kantenlänge und einem Eigengewicht von etwa 70 Gramm auf den Markt – und zu den Testern. Jetzt tröpfeln also sukkzessive die Testberichte herein – und auch wenn ich mich da ganz bewusst erst durchklickte, nachdem ich den Foto- und Videozwerg selbst ausprobiert hatte, war rasch klar: Die Begeisterung ist durch die Bank enden wollend.

foto: thomas rottenberg
Links die Minicam "Session", rechts das klassische Modell.

Freilich bietet die "Session" auch Vorteile: Inklusive Schutzhülle (die man bei der Session gar nicht abnehmen kann) noch einmal ein Drittel kleiner zu sein, als die aktuellen Vorgängermodelle, ist definitiv einer. Nicht nur für mich, der ich die Kamera fast immer in der Hand halte, sondern auch auf den diversen Halterungen: Je kleiner und leichter, umso geringer die Hebelkräfte, die das Ding dann etwa beim Aufsetzen nach harten Sprüngen mitunter im Scharnier ein bisserl kippen lassen.

Der Wasser- und Luftwiderstand ist geringer. Und der Würfel lässt sich auch auf ein paar andere schlaue Arten woauchimmer befestigen, die bisher nicht möglich waren.

foto: thomas rottenberg
Size Matters. Von links nach rechts: Die mittlerweile rund sechs Jahre alte erste "GoPro Hero", die etwa drei Jahre alte "Hero 3", das Nachfolgemodell "Hero 3+" (Black Edition) – und die "Session".

Einknopf-Bedienung oder Smartphone-Verbindung

Angenehm – für Simpel-User – ist auch die Einknopf-Bedienung: Einschalten/Ausschalten – mehr ist da nicht. Kurz drücken aktiviert den Videomodus, länger Drücken den Dauerfotomodus. Für alle anderen Einstellungen muss man den Zauberwürfel mit dem Smartphone verbinden. Und da beginnt es dann zu haken.

Eigentlich schon früher: Die Reaktionszeit des Gerätes auf den Einschaltknopf ist nämlich relativ lange. Schon im Videomodus – aber ganz besonders, wenn man nur Fotos machen will: Drei Sekunden drücken und dann nochmal (gefühlte) drei, bis die Kamera loslegt – da ist man rasch mal schon an allem vorbei, was man mitnehmen wollte. Schließlich werden Actioncams in der Regel für Bilder im Nahbereich eingesetzt. Dass die Reaktionszeit erklärbar ist, weil die Kamera – im Gegensatz zu ihren Vorgängermodellen – eben keinen Standby-Modus hat: Ja eh. Aber als Anwender brauche ich ein Ding, das funktioniert, wenn ich es will. Und ich bin eben verwöhnt.

foto: thomas rottenberg
Ein Knopf für alles.

Dass die "Session" nicht auf Standby gehen kann, ist natürlich auch nachvollziehbar: So spart man Akku-Lebensdauer. Und die ist mit knapp zwei Stunden (bei ausgeschaltetem WiFi) zwar soweit okay, aber auch das nur auf den ersten Blick: Der Akku ist fix verbaut. Der Kompaktheit geschuldet ist natürlich auch das logisch – aber auf längeren Läufen, Rad- oder Skitouren habe ich genau aus diesem Grund mindestens einen Zweitakku mit. Und beim – zum Beispiel – Surfen – stelle ich mir das An-Land-gehen-und-Nachladen dann auch ein bisserl mühsam vor. Weil ja gerade jetzt die perfekte Welle … und so weiter.

Nebenbei: Auch das Um- oder Einstellen der diversen Modi via Wi-Fi und Smartphone stelle ich mir gerade bei wassernahen Nutzungen ein bisserl ungut vor. Bei den bisherigen Modellen gehen diese Wechsel nämlich "on the go".

Nochmal nebenbei: Die "Session" ist nur bis 10 Meter wasserdicht. Die großen Geschwister bis 40.

Gute Bild- und Filmqualität

An der Bild- und Film-Performance der Session habe ich nichts auszusetzen gefunden. Dass sie qualitativ nicht mit der 4k-Auflösung ihrer großen Geschwister – also der "Hero 4 Black Edition" – mithalten kann und "nur" mit 1440 px und 30 Bildern pro Sekunde oder aber in Full HD (also 1080 px) mit maximal 60 Bildern pro Sekunde filmt (bei 720 px mit bis zu 100 Bildern pro Sekunde), stört mich nicht: Ich persönlich brauche die höchsten Auflösungen nicht – drum habe ich bislang auch nicht von meiner "Hero 3+ Black" auf die Vierer aufgerüstet. Und mit der Dreier kann die Session ganz gut mithalten. Sowohl was bei Fotos als auch was bei Videos (bei Tageslicht) Schärfe, Farben und Reaktionsgeschwindigkeit angeht.

Für Normalo-User wäre die "Session" damit eigentlich eine brauchbare und gute Wahl – wäre da nicht der Preis. Der liegt mit 429,99 Euro nämlich exakt dort, wo auch die "GoPro 4 Silver", also das zweitstärkste Modell, zu finden ist. Und das ist schlicht und einfach viel zu hoch. (Thomas Rottenberg, 23.8.2015)

thomas rottenberg
Bisher war der Sound des GoPro-Mikro der GoPro in der Wasserschutzhülle vor allem eines: dumpf. Zumindest in diesem Punkt schlägt die "Session" ihre großen Geschwister. (Dass Ilija Trojanow und ich hier Ansteckmikros tragen, hat einen anderen Grund. Der Sound im Wackel-Laufvideo kommt direkt von der GoPro.
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