Krimi "Deadline": Digitale Hexenjagd

25. August 2015, 11:56
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Renée Knight führt eindrucksvoll vor, was es in Zeiten des Internets bedeuten kann, wenn einen die Vergangenheit einholt

Der Psychothriller des Sommers stammt von einer Britin: Renée Knight hat sich eine diabolische Geschichte ausgedacht. Was würde man tun, wenn einem ein Roman zugeschickt wird, in dem man eine schäbige Rolle spielt?

Catherine, verheiratet, erfolgreich, ein Kind, reagiert panisch. Vor 20 Jahren ist in den Ferien etwas passiert, worüber sie nie sprach. Nun stellt sie ein Unbekannter als gewissenlose Geliebte eines jungen Mannes bloß. Sie sei eine Schlampe, die sich einen Urlaubsflirt aufriss und darüber ihren kleinen Sohn vergaß. Der Dreitageliebhaber hat das Kind vor dem Ertrinken gerettet und ist dabei gestorben. Catherines Ehemann hatte keine Ahnung, die Ehe zerbröselt, die Frau wird verfolgt.

Knight baut eine Wendung ein, und es darf über die Wirkung von Fotos nachgedacht werden und darüber, was man sehen will, wenn einem die Interpretation mitgeliefert wird. Die Möglichkeit, jemanden durch eine digitale Hölle zu jagen, nicht zu vergessen. Am Schluss fällt die Ich-Erzählerin die richtige Entscheidung, bis dahin darf gerätselt werden. (Ingeborg Sperl, Album, 22.8.2015)

Renée Knight, "Deadline." Dt.: Andreas Jäger. € 13,40 / 347 Seiten, Goldmann, München 2015

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    foto: goldman
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