Zum Glück war wenigstens der Penis vegan

Kolumne21. August 2015, 17:09
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Bericht von einer Festtagsspeise

Der Veganismus wächst, der Veganismus gedeiht, der Veganismus ist nicht mehr einzubremsen. Und was sollte man schon dagegen haben? Gewiss, es gibt Veganer, die spinnen. Sie halten Wurst und Fleisch generell für ein Werk des Satans (Satansbraten!) und jeden Fleischesser prinzipiell für pervers. Da wird es dann ein wenig totalitär.

Sieht man von ihren narrischen Verfechtern ab, so hat die reine Pflanzenesserei aber einiges für sich. Der Krisenkolumnist hat sich selbst über längere Zeiträume hinweg vegan ernährt und war erstaunt, dass man ethisch und abwechslungsreich essen und nebenbei seine Blutwerte mächtig verschönern kann.

Seltsam sind jene Veganer, die sich zum Veganismus bekennen und zugleich glauben, es ohne pflanzliche Fleischimitate nicht aushalten zu können. Die Industrie bedient diese schizophrene Gefühlslage mit Produkten, die viehisch aussehen, aber rein pflanzlich sind, vegan betrachtet also außen pfui und innen hui: Scheinschnitzel aus Kokosöl und Sojamehl, Putativwürste, Pseudobraten, Pro-forma-Leberkäse, Täuschungsfaschiertes, Betrugsblunzn und Ähnliches mehr.

Mit einem Produkt ähnlicher Art bekam ich es vor kurzem zu tun. Ich war auf eine prächtige Hochzeit zweier junger Bekannter ins Waldviertel eingeladen, Braut und Bräutigam strahlten vor Glück, es wurde gegessen, getrunken und getanzt, und nach Mitternacht rückten Freunde des Brautpaars mit einer speziellen mehrteiligen Hochzeitstorte an: Ein Teil war eine Torte in Form einer weiblichen Brust, eine Mopstorte gewissermaßen, der andere eine Torte in Penisform, also quasi eine Zipfeltorte.

Ehe das Kunstwerk angeschnitten wurde, verkündeten die Tortenträger, dass die Zipfeltorte, obwohl von fleischlichem Aussehen, mit Rücksicht auf die Braut, eine Veganerin, aus rein pflanzlichen Zutaten gemacht worden sei. Wie umsichtig! Wer hätte dieser Braut zumuten wollen, dass sie in einen Penis mit Eiern und Obers beißen muss?

Hier aber ruhte nun ein festlicher Schweif, für den kein Tier sterben musste, feierlich auf dem Hochzeitstablett. Ein schöneres Beispiel für das Umsichgreifen der veganen Idee habe ich selten gesehen. Falls Sie vorhaben, demnächst zu heiraten, vergessen Sie nicht auf die Pflanzenesser in Ihrer Festgesellschaft. Ein guter veganer Beidlkonditor sollte sich ohne gröbere Probleme in Ihrer Nähe finden lassen. (Christoph Winder, 21.8.2015)

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