Wortkunde: Lustpille

22. August 2015, 09:00
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Für ihn gibt es schon länger das blaue Pulverl, für sie jetzt ein rosarotes: die Lustpille für die Frau

Jetzt ist sie also zugelassen worden. Nachdem wir Herren der Erschöpfung uns schon länger des Hilfsmittels Viagra erfreuen, um unser stockendes Blut wieder in die richtige Bahn zu lenken, gibt es nun auch die Lustpille für die Frau. Lustpille, das ist ein sehr weitläufiger Begriff, der gehört genauer definiert. Denn wenn sie keine Lust auf Kino oder, was weiß ich, Tennisspielen hat, helfen diese Zuckerln auch nix.

Ihr Einsatzgebiet ist die Fleischeslust, wobei nicht der Drang gemeint ist, sich in Beef tartare zu wälzen. Es geht um Sex. Das Produkt heißt Addyi, und es ist in traditionsschwerem Rosa gehalten, als Pendant zum hellblauen Herrenpulver(l) Viagra. Während Viagra körperlich wirkt, soll die Lustpille für Sie auf psychischer Ebene Voraussetzungen für eine befriedigende Vereinigung schaffen. Das kostet. Rund 400 Dollar pro Monat, wenn frau nicht versichert ist.

Doch selbst, wenn sie diese zu berappen vermag und willig ist, dies zu tun, die bisher bekannten Ergebnisse lassen keine babylonischen Freuden erwarten. Im Schnitt gaben Probandinnen eine Anhebung ihrer sexuellen Aktivität von lediglich 0,5 bis ein Prozent im Monat an.

Ob 0,5 Prozent Sex mehr im Monat all den Aufwand und all die möglichen unerfreulichen Nebenwirkungen rechtfertigen, muss jede Frau selbst abwägen. Vielleicht vertraut sie besser weiterhin altbewährten Hausmitteln wie Rumkugeln, Baileys, einem Album von Marvin Gaye – oder sucht sich einfach einen anderen Partner. (flu, 22.8.2015)

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    foto: ap / allen g. breed
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