Sky und RTL haben dem ORF etwas voraus: Formel-1-Rechte bis 2017

21. August 2015, 15:19
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Der ORF pokert noch, Sky und RTL haben den Deal für die nächsten zwei Saisonen schon unter Dach und Fach

Wien/Köln/München – Der deutsche Privatsender RTL wird weiter die Formel 1 übertragen. RTL sendet mindestens bis Ende 2017 weiter. Auch der Pay-TV-Sender Sky hält an seiner Berichterstattung über die Motorsport-Königsklasse fest und hat sich die Rechte für Deutschland, Österreich und die Schweiz gesichert. Der ORF dürfte in den nächsten Monaten entscheiden, ob er die Formel 1 auch nach 2016 überträgt.

"Wir sind in Gesprächen", hieß es dazu aus dem ORF. RTL und Sky verkündeten unterdessen am Freitag die Verlängerung des auslaufenden Vertrages mit der Formula One Group bis Ende 2017. Es gebe zudem die Option auf eine weitere Zusammenarbeit, sagte RTL-Programm-Geschäftsführer Frank Hoffmann am Freitag am Rande des Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps. Zur Dauer wollte er sich nicht äußern.

Quoten sinken

"Auch wenn wir nicht so viel bekommen, wie wir wert sind, haben wir den Vertrag unterzeichnet", meinte Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone launig. Angesichts der über die Jahre gesunkenen Quoten und den daher gefallenen Werbeeinnahmen wurde zuletzt spekuliert, dass RTL deutlich weniger zahlen wolle. Von 30 bis 35 Millionen statt 50 Millionen pro Jahr war die Rede. Details dazu wurden am Freitag aber nicht genannt.

Sky wird weiter parallel übertragen. Der Pay-TV-Sender wollte das im Grunde in dieser Form eigentlich nicht mehr. Das Geschäftsmodell beruht eigentlich auf Exklusivität der Inhalte. Sky macht nun dennoch wie RTL bis Ende 2017 weiter. "Die Formel 1 ist für unsere Kunden ein wichtiger Bestandteil unseres umfassenden Sportangebots. Wir sind überzeugt davon, dass sie auch in Zukunft erfolgreich sein wird", erklärte Sky-Sportchef Burkhard Weber. Der Bezahlsender stieg zur Saison 1996 in die Formel-1-Berichterstattung ein.

RTL büßt Seher ein

RTL ist schon länger dabei. Das Interesse der deutschen TV-Zuschauer ist aber mittlerweile unter die Fünf-Millionen-Marke gerutscht. Durchschnittlich verfolgten nur noch 4,36 Millionen Formel-1-Fans die Rennen der abgelaufenen Saison. Im Vergleich zum Vorjahr (5,28 Millionen) bedeutet das einen Rückgang um fast eine Million Zuschauer pro Rennen und war die schlechteste Formel-1-Bilanz seit 1994.

Zuletzt ist das Interesse der Fans im frei empfangbaren Fernsehen zwar wieder gestiegen. Doch von Werten wie 2001, als erstmals die Zehn-Millionen-Grenze überschritten wurde, ist RTL weit entfernt. Dafür erreicht der Marktanteil Werte von rund 30 Prozent. "Ich will die Zahlen nicht schönreden, sondern einordnen", sagte Hoffmann und verglich den Rückgang der totalen Zahlen bei der Formel-1-Übertragung mit dem Rückgang etwa bei Spielfilmen früher.

Zuseherrückgang auch im ORF

Auch im ORF hatte die Motorsportserie zuletzt mit Zuschauerrückgängen zu kämpfen. Die ersten sieben WM-Läufe verfolgten heuer im ORF nur mehr 376.000 Zuschauer, im Jahr davor waren es noch 436.000 Seher. Der ORF, der für die Rechte an der Formel 1 im Jahr kolportierte 15 Millionen Euro zahlt, denkt deshalb über einen Ausstieg nach, pokert aber zumindest – wie RTL – um einen ordentlichen Preisnachlass.

"Natürlich gehört die Formel 1 seit Jahrzehnten als ganz starke Marke zum ORF-Image, die man nicht leichtfertig aufgibt. Aber genauso beschäftigen wir uns mit dem Rückgang des Seherinteresses", meinte ORF-Finanzdirektor Richard Grasl erst vor wenigen Wochen. "Vor allem aber ist es bei knappen Mitteln eine Prioritätenfrage: Können jene Millionen, die uns die Formel 1 kostet, nicht für anderes besser eingesetzt werden – für österreichische Filme, Serien, Dokus oder große Live-Events, die im TV immer wichtiger werden? Die Entscheidung, die wir demnächst zu treffen haben, wird wohl spannender als so manches der letzten Rennen", so Grasl. (APA, 21.8.2015)

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