Wankelmütigkeit ist eine Frage der Hirnströme

21. August 2015, 12:43
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Neuroökonomen konnten zeigen, dass es auf die Intensität der Kommunikation zwischen verschiedenen Hirnarealen ankommt, ob wir unentschlossen oder entschlussfreudig sind

Zürich – Eine typische Situation: Man sitzt im Restaurant, studiert die Speisekarte und die Auswahl fällt schwer. Nach langem Hin und Her und vielen Diskussionen fällt die Wahl schließlich wieder auf Schnitzel, Gulasch oder Schweinsbraten. – Vorausgesetzt man ist Fleischesser. Das vegetarische Pendant dazu: Eiernockerl, geröstete Knödel, panierte Champions.

Danach die ständige Grübelei: Wäre nicht doch das Steak die bessere Wahl gewesen? Oder der vegetarische Burger? Solche Entscheidungsschwierigkeiten betreffen überwiegend präferenzbasierte Fragen – wie "Was mag ich lieber?". Rein sensorische Entscheidungen aufgrund von Sinnesinformationen (beispielsweise "Was ist größer oder mehr") sind weniger von Wankelmütigkeit betroffen, sagen Neuroökonomen der Universität Zürich.

Intensität steuert Entscheidung

Wie kommt es dazu, dass manche Menschen sehr unentschlossen sind und sich laufend neu entscheiden? Andere hingegen wissen exakt, was sie mögen und wollen. Diese Frage beschäftigte ein Forscherteam um Christian Ruff, Neuroökonom an der Universität Zürich. Die Wissenschafter fanden heraus, dass die Präzision und Stabilität von Präferenzentscheidungen nicht nur von der Stärke der Aktivierung eines oder mehrerer Hirnareale abhängt. Entscheidend ist die Intensität der Kommunikation zwischen den Hirnbereichen, die unsere Präferenzen abbilden sowie an der Orientierung im Raum und der Handlungsplanung mitbeteiligt sind.

Die Forscher nutzten die transkraniale Wechselstromstimulation, eine nicht-invasive Hirnstimulationsmethode, mit der sich koordinierte Schwingungen in der Aktivität bestimmter Hirnareale erzeugen lassen. Die Probanden bemerken dabei nicht, dass sie stimuliert werden. Mit dieser Technik verstärkten oder reduzierten die Forscher den Informationsfluss zwischen dem direkt unter der Stirn gelegenen präfrontalen Kortex und dem etwas über den beiden Ohren gelegenen parietalen Kortex.

Die Studienteilnehmer hatten präferenzbasierte oder rein sensorische Entscheidungen über Nahrungsmittel zu fällen. "Wir konnten feststellen, dass die präferenzbasierten Entscheidungen weniger stabil waren, wenn der Informationsfluss zwischen den beiden Hirnarealen gestört wurde. Unsere Probanden wurden also wankelmütiger. Für die rein sensorischen Entscheidungen fand sich jedoch kein solcher Effekt", erklärt Christian Ruff.

Stabilität der Entscheidungen nicht beeinflussbar

"Die Kommunikation zwischen den beiden Hirnteilen ist also nur relevant, wenn wir entscheiden müssen, ob wir etwas mögen, nicht wenn wir uns anhand objektiver Fakten entscheiden", ergänzt der Experte. Geschlechtsspezifische Effekte konnten in den Experimenten nicht konstatiert werden.

Es war aber nicht möglich, durch Verstärkung des Informationsflusses die Entscheidungen stabiler zu machen. Zumindest bei den ausgewählten jungen und gesunde Probanden. Die Forscher wollen nun klären, ob die Ergebnisse etwa für Patienten, die als Folge von Hirnerkrankungen an hoher Impulsivität und wankelmütigen Entscheidungen leiden, nützlich sein können. (red, 21.8.2015)

  • Speisekarten: Manchmal die Qual der Wahl.
    foto: derstandard.at/johanna scholz

    Speisekarten: Manchmal die Qual der Wahl.

  • "Ist der Informationsfluss zwischen zwei Hirnarealen gestört, werden wir wankelmütiger", sagen Forscher der Uni Zürich.
    foto: uzh

    "Ist der Informationsfluss zwischen zwei Hirnarealen gestört, werden wir wankelmütiger", sagen Forscher der Uni Zürich.

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