Kontakte, Standort-, Sensordaten: Spotify stierlt nach mehr Nutzerinformationen

21. August 2015, 10:35
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Der Musikstreamingdienst hat seine Datenschutzrichtlinie geändert

Während das Datensammeln bei Unternehmen wie Facebook, Apple, Google oder Microsoft stets mit Argusaugen verfolgt wird, ist ein Dienst bislang eher unter dem Radar der Datenschützer geflogen. Das könnte sich nun ändern. Denn mit einer Aktualisierung der Datenschutzrichtlinie will der Musikstreaming-Dienst mehr Nutzerdaten als zuvor abgreifen.

Informationen von Mobiltelefon, Standort- und Bewegungsdaten

Im Abschnitt "Die von uns erfassten Daten" findet sich ein neuer Punkt, der das Sammeln von Daten auf mobilen Geräten regelt. So verlangt Spotify auf Mobiltelefonen Zugriff auf Daten wie "Kontakte, Fotos oder Mediendateien". Das Unternehmen weist dabei darauf hin, dass die "lokale Gesetzgebung" vorsehen kann, "dass Sie die Zustimmung Ihrer Kontakte zur Übermittlung ihrer personenbezogenen Daten an Spotify einholen." Warum der Dienst Zugriff auf Mediendateien haben will, ist nicht ganz klar. Der Hinweis, dass eventuell das Einverständnis der Personen im Adressbuch eingeholt werden muss, wirkt befremdlich zumal das in der Praxis kaum umzusetzen ist.

Ein weiterer Punkt betrifft Sensordaten. Je nachdem auf welchem Gerät Spotify genutzt wird, will der Dienst auf Standort- sowie Bewegungsdaten zugreifen. Das Unternehmen will nicht nur wissen, wo sich seine Nutzer aufhalten, sondern auch ob gerade sie laufen, gehen oder fahren.

Was mit den Daten passiert

Die gesammelten Daten werden unter anderem an Werbekunden übermittelt, um "maßgeschneiderte Inhalte inklusive relevanter Werbung für Produkte und Services" anzuzeigen, welche die Nutzer interessieren könnten. Auch werden die Daten gesammelt "um festzustellen, wie Nutzer mit Anzeigen interagieren". Die Informationen werden laut Spotify in einer Form übermittelt, die keine Identifizierung der Nutzer ermögliche.

In einer Stellungnahme an "Forbes" teilt Spotify mit, dass Privatsphäre und Sicherheit der Nutzerdaten höchste Priorität hätten. Das Unternehmen baue seinen Service laufend aus, um Nutzern die bestmögliche Experience zu bieten. Dazu gehöre auch die besten Empfehlungen für jeden Moment zu liefern und Nutzern zu helfen, mehr neue Musik zu entdecken. Die gesammelten Daten würden dazu beitragen, das Nutzererlebnis zu verbessern und neue, personalisierte Produkte zu entwickeln. Ein kürzlich neu eingeführtes Feature ist beispielsweise Spotify Running, bei dem die Musik auf das Lauftempo abgestimmt wird. Dazu ist der Zugriff auf die Sensordaten notwendig.

Was Nutzer tun können

Die Personalisierung des Musikerlebnisses ist für die Anbieter ein kritischer Punkt. Spotify ist Marktführer, ist nun aber mit dem Start von Apple Music unter Druck geraten. Beide versuchen, ein möglichst auf den individuellen Geschmack der Nutzer abgestimmtes Produkt zu liefern. Dass dazu persönliche Daten gesammelt und ausgewertet werden, muss den Nutzern klar sein. Problematisch wird es, wenn nach und nach neue Funktionen eingeführt werden, die Zugriff auf mehr Daten verlangen. Denn wer vor ein paar Jahren Spotify-Kunden wurde, ist nun möglicherweise mit einer solchen Erweiterung nicht einverstanden.

Wie üblich muss man die Nutzungsbedingungen jedoch akzeptieren, um den Dienst weiter verwenden zu können. Bis zu einem gewissen Grad haben Nutzer natürlich auch selbst die Kontrolle über ihre Daten. So können etwa Ortungsdienste auf Smartphones deaktiviert werden. In den Einstellungen von Spotify kann zudem untersagt werden, dass Informationen mit Drittanbietern geteilt werden. (Birgit Riegler, 21.8.2015)

Update 21:05: In einem Blogeintrag entschuldigt sich Spotify-Chef Daniel Ek für Verwirrungen und erklärt, warum man Zungriff auf Daten von User benötigt.

  • Spotify will mehr über seine Nutzer wissen.
    foto: reuters/dado ruvic

    Spotify will mehr über seine Nutzer wissen.

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