Dieses Haus ist absolut mein Ding

24. August 2015, 05:30
22 Postings

Stefan Schweiger, Indendant des Festivals der Alten Musik "Trigonale", wohnt in einem zeitlosen Haus in Maria Saal

Kommenden Donnerstag startet in Kärnten die Trigonale, das Festival der Alten Musik. Intendant Stefan Schweiger wohnt in einem zeitlosen Haus in Maria Saal. Wojciech Czaja durfte kurz schaukeln.

"Ich schaukle sicher nicht jeden Tag, aber doch immer wieder. Das Schaukeln ist für mich einerseits eine unglaubliche Entspannung, ein Zur-Ruhe-Kommen, andererseits lasse ich dann alte Gedanken durch mich hindurchziehen – zum Beispiel an meine Oma. Sie ist 75 Jahre alt geworden, und jedes Mal, wenn sie zu mir auf Besuch gekommen ist, hat sie geschaukelt, als ob es kein Morgen mehr gäbe.

foto: ferdinand neumüller
"Ich liebe dieses Schaukeln, und wenn ich Alte Musik dazu höre, dann hebe ich ab." Trigonale-Chef Stefan Schweiger auf seiner Wohnzimmerschaukel. (Bildansicht durch Klick vergrößern)

Ich liebe dieses Schaukeln, es hat Schwung und Dynamik, vor allem wenn ich dazu Alte Musik höre. Dann hebe ich ab, dann kommt selbst an einem tristen Tag, den man immer wieder mal hat, Bewegung rein.

Dieses Haus ist absolut mein Ding. Das bin zu 100 Prozent ich. Vieles davon hat sich durch Glück ergeben. Das Grundstück war eine Erbschaft und musste erst noch in Bauland umgewidmet werden, was glücklicherweise geklappt hat. Am 4. Oktober 2000 wurde die Bodenplatte betoniert, am 6. November war das Dach fertig gedeckt, am 21. März 2001 bin ich eingezogen. Die genaue Planung hat der Ossiacher Architekt Siegfried Neuwirth gemacht. Der ist mittlerweile 92 Jahre alt. Es war eine sehr schöne, intensive Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Wir haben einander vom ersten Moment an verstanden.

Meine Vorgaben waren: Ziegelmauerwerk, Holzzwischendecke, klassische Kastenfenster, viel Fläche, wenige Räume und möglichst traditionelle bauliche Details. Dass daraus dann das geworden ist, was es jetzt ist, ist einzig dem Architekten geschuldet. Es haben sich die Dinge wunderbar ineinandergefügt. So wie zum Beispiel die roten Fenster, die abgerundeten Fensterlaibungen wie bei alten Bauernhäusern, die offene, wunderschöne Holzkonstruktion bis unters Dach. Das alles ist nicht so sehr ein Hang zur Nostalgie, wohl eher eine Vorliebe für dieses Weiche, für dieses Lebendige, für dieses leicht Schlampige.

Die ersten elf Jahre habe ich mit Holz geheizt. Das ist zwar sehr behaglich, aber auf Dauer doch ziemlich mühsam. 2011 habe ich beschlossen, meine Lebensversicherung aufzulösen und das Geld stattdessen in eine Wärmepumpe zu investieren – so richtig mit allem Drum und Dran und einer 130 Meter tiefen Erdbohrung mit 15 Zentimetern Durchmesser. Das hat mich rund 15.000 Euro gekostet, durchaus eine Menge Geld, aber es hat sich ausgezahlt. Jetzt kann ich den Großteil der Heizlast mit einer ökologisch einwandfreien Heizung abdecken. Den großen Kachelofen in meinem Atelier nutze ich aber weiterhin. Auf die Behaglichkeit von Strahlungswärme will ich nicht verzichten.

Was die Möbel betrifft: Ich bin ein haptischer und zugleich sehr praktischer Mensch, daher habe ich mich bis auf wenige Ausnahmen mit unbehandelten Holzmöbeln umgeben. Das fühlt sich gut an, man spürt die Holzmaserung unter den Fingern, und außerdem sind die Möbel robust und halten viele Jahrzehnte. Was will man mehr! Ich halte nichts von diesen hübschen Designermöbeln, auf die man irrsinnig aufpassen muss und die mehr oder weniger optisch kaputt sind, sobald sie auch nur einen Kratzer haben.

Von meinem Schreibtisch aus sehe ich direkt auf den Magdalensberg. Das weckt Kindheitserinnerungen, denn da oben habe ich mit meinen Eltern unzählige Stunden verbracht. Das waren Ausflüge zum Ein-Schilling-Tarif, wenn man die Portion Erdnüsse miteinbezieht, die wir uns immer am Automaten runterdrücken durften. Ich liebe diesen Ausblick. Er inspiriert mich beim Arbeiten. Und er harmoniert ganz wunderbar mit der Musik, die ich zumeist höre: geistliche Vokalmusik.

Alles in allem kann ich sagen: Wenn ich in der Früh die Augen aufschlage, wähne ich mich immer wieder in der glücklichen Situation, in einem Haus aufzuwachen, das ich auch nach 15 Jahren des Darin-Wohnens noch immer wunderschön finde – was für ein Luxus!" (24.8.2015)

Stefan Schweiger, geboren 1972 in Klagenfurt, absolvierte die HTL für Elektrotechnik und arbeitet als selbstständiger Ton- und Lichttechniker und Fotograf. Seit 2008 ist er Geschäftsführer und Intendant der Trigonale – Festival der Alten Musik. Heuer startet es am 27. August mit der Kirchenoper "Christophorus", einem Auftragswerk von Tristan Schulze. Bis 13. September.

Links

Trigonale

stefanschweiger.com

Share if you care.