Tianjin: Neue Brände in Chemielager

21. August 2015, 08:22
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Chinesische Nachrichtenagentur berichtet von vier Brandherden

Wien/Peking – Einsatzkräfte auf dem Gelände des Chemielagers in Tianjin, auf dem vergangene Woche bei mehreren Explosionen mindestens 116 Menschen ums Leben gekommen und über 700 verletzt worden sind, mussten zur Bekämpfung neu ausgebrochener Brände ausrücken. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag.

Drei Feuer brachen demnach unabhängig voneinander direkt auf dem verwüsteten Areal aus, ein Brandherd wurde in einem nahe gelegenen Automobillager registriert. Ob Personen verletzt wurden und ob die Feuerwehrleute die Brände bereits unter Kontrolle bringen konnten, war vorerst nicht bekannt.

Alle Toten durch die Explosionen seien anhand von Erbgut-Analysen nun identifiziert, so Xinhua, darunter waren 65 Feuerwehrleute und sieben Polizisten. Die Zahl der Vermissten wurde derweil mit 60 angegeben. Unter ihnen sind 39 Feuerwehrleute und vier Polizeibeamte.

Fischsterben

Am Freitag wurde bekannt, dass etwa sechs Kilometer flussabwärts vom Chemiegelände am Ufer des Binhai-Flusses tausende tote Fische angespült wurden. Während Beobachter spekulierten, dass ausgetretenes Cyanid für das Fischsterben verantwortlich sein könnte, sollen laut Behörden keine Werte in gesundheitsschädlicher Dosis gemessen worden sein.

Demgegenüber hätten Messungen der Fischereibehörden ergeben, dass die Fische an Sauerstoffmangel verendet seien, berichtete die "China Daily" und veröffentlichte die Testergebnisse. Experten erläuterten, hohe Schadstoffbelastungen im Wasser führten zu einem solchem Sauerstoffmangel. Das sei bei schlechter Wasserqualität im Sommer "nicht ungewöhnlich".

In einer Wasserprobe an der Unglücksstelle hatten Prüfer allerdings am Donnerstag eine Konzentration von Cyanid festgestellt, die um das 356-Fache über dem Grenzwert lag, wie das Umweltministerium mitgeteilt hatte. An 19 von 26 Testpunkten rund um den Explosionsort wurde demnach Cyanid nachgewiesen.

Überprüfungen in Peking

Nach den schweren Explosionen wurden nun auch in Chinas Hauptstadt Peking Chemieanlagen überprüft. Bei fast 70 Prozent der Firmen seien Sicherheitsmängel festgestellt worden, berichteten staatliche Medien am Donnerstagabend.

124 Einrichtungen, in denen gefährliche Stoffe lagerten, seien inspiziert worden, in 85 Firmen habe es Sicherheitsmängel gegeben, meldete die Agentur Xinhua unter Berufung auf das Amt für Arbeitsschutz. Zwei Unternehmen seien geschlossen worden.(red, APA, 21.8.2015)

  • Während auf dem Gelände des Chemielagers neue Brände ausbrachen, wurden sechs Kilometer flußabwärts am Ufer des Binhai-Flusses tausende tote Fische angespült.
    foto: reuters/stringer

    Während auf dem Gelände des Chemielagers neue Brände ausbrachen, wurden sechs Kilometer flußabwärts am Ufer des Binhai-Flusses tausende tote Fische angespült.

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