Wien-Wahl: Häupl lässt Koalitionspräferenz für Grüne erkennen

21. August 2015, 08:03
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Wiens Bürgermeister will ein bis zwei Mandate dazugewinnen und hat Ideen zur Entzauberung der FPÖ

Wien – Wer gedenkt, Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) vorzuschlagen, eine Koalition mit der FPÖ einzugehen, ist gut beraten, in Deckung zu gehen. "Dem Nächsten, der sagt, wir sollen eine Koalition mit der FPÖ machen, dem haue ich eine Watsche runter", sagte er beim Sommerfest der Wiener SPÖ-Frauen am Donnerstag im EGA-Frauenzentrum im sechsten Gemeindebezirk.

Die eine oder andere verbale Ohrfeige galt auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Dieser tauche nämlich so wie das Seeungeheuer Nessie alle fünf Jahre in Wien auf. "Dann hauen wir ihm eines über die Rübe, und dann ist er wieder weg." Wien sei für viele Menschen in Europa eine Glitzerstadt, ein Leuchtturm. Nur: "Bei uns rennen ein paar Koffer herum und reden deppert über diese Stadt."

"Soziale Heimatpartei entzaubern"

Man müsse den Wählern die Wahrheit über die "soziale Heimatpartei" erzählen, die etwa gegen die bedarfsorientierte Mindestsicherung gestimmt und auch viele andere soziale und frauenpolitische Maßnahmen abgelehnt habe, schlägt der Bürgermeister zur "Entzauberung" der FPÖ vor.

Außerdem formuliert Häupl ein Wahlziel: Zu den 49 Mandaten und dem Mandat, dass er als politisches Asyl bezeichnet (gemeint ist Şenol Akkılıç, der im März von den Grünen zur SPÖ wechselte), will Häupl ein bis zwei Mandate dazugewinnen, was der absoluten Mehrheit entspricht.

Grüne vom Lehrling zum Facharbeiter

Wenn auch in wenig schmeichelnde Worte verpackt, ließ er eine Koalitionspräferenz für die Grünen durchklingen. Nach wie vor streite er lieber zu Verkehrsthemen als über Bildung. Und: "Nach fünf Jahren Lehrlingsausbildung dürfte es jetzt zum politischen Facharbeiter reichen", sagte er über den derzeitigen Regierungspartner.

"Auch wenn so manchen die Zusammenarbeit mit den Grünen auf die Nerven geht", skizzierte er die Alternative einer Regierung mit der ÖVP: "Einsparen des Personals in der Verwaltung, Leistungen abbauen, Sparen in Spitälern und Schulen".

Außerdem kritisierte Häupl die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung: "Entschieden Charakter zu halten ist im erstaunlichen Ausmaß verlorengegangen. Was ist daran so schwer zu sagen, ja, wir helfen euch?"

Das Kind auf den "Bugl picken"

Zuvor hatte Vizebürgermeisterin Renate Brauner die SPÖ-Frauen auf die "unendlich wichtigen Wahlen" eingeschworen. Sie plädierte dafür, mehr Erfolgsgeschichten zu erzählen. Im Gegensatz zu Wien hätten in vielen anderen Bundesländern Kindergärten zu viele Schließzeiten. Frei nach dem Motto: "Pick dir das Kind auf den Bugl und geh damit in die Arbeit." Diese Errungenschaft sei nicht vom Himmel gefallen, daran müsse man die Wähler erinnern. (Katrin Burgstaller, 20.8.2015)

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