Politiker im Duett mit ORF in Traiskirchen: Puls 4 protestiert

20. August 2015, 16:46
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"Dass Privatmedien von diesem Besuch ausgeschlossen wurden, halten wir für inakzeptabel", heißt es in einem offenen Brief

Wien – Für den Privatsender Puls 4 ist der Paarlauf zwischen der österreichischen Politspitze und dem ORF "inakzeptabel". Grund ist der Besuch vom Mittwoch im Erstaufnahmezentrum für Flüchtlinge in Traiskirchen. Fischer, Faymann, Mitterlehner und Mikl-Leitner machten sich vor Ort ein Bild über die Zustände für Flüchtlinge. Mit im Gepäck hatten sie den ORF. Ein Fotograf der APA war laut Nachrichtenagentur wegen eines anderen Termins zufällig vor Ort. Er stieß zum Politikertross. Puls 4 fühlt sich ausgeschlossen und kritisiert die Politiker in einem offenen Brief.

Der offene Brief im Wortlaut

"Sehr geehrter Herr Bundespräsident, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, sehr geehrter Herr Vizekanzler, sehr geehrte Frau Innenministerin,

es war höchste Zeit, dass die Spitze der österreichischen Politik sich selbst ein Bild der katastrophalen Zustände in der Erstaufnahmestelle Traiskirchen macht. Dass Privatmedien von diesem Besuch ausgeschlossen wurden halten wir aber für inakzeptabel. Es ist für uns als Journalistinnen und Journalisten nicht hinnehmbar, dass die politische Führung der Bundesrepublik einen Besuch bei DEM Brennpunkt heimischer Politik macht – und dabei nur den ORF als privilegierten Partner bedient (und sonst nur einen APA-Fotografen zulässt). Zudem dürfte sich auf Regierungsebene offenbar niemand Gedanken über ein weiteres Presse- und Medienmanagement rund um den Besuch gemacht haben. Das wirkt in Zeiten, in denen eine duale Medien- und TV-Landschaft selbstverständlich sein sollte und Privat-Medien an Innovationskraft und Engagement das Land in großen Teilen mitgestalten, hochgradig konzeptlos und fragwürdig. Ihr Vorgehen ist in der Causa Traiskirchen zudem kein Einzelfall: Der Zugang zum Erstaufnahmezentrum wird uns bereits seit Monaten verweigert.

PULS 4 berichtet bereits seit Monaten kritisch über die unmenschlichen Zustände in Traiskirchen. Sie erwecken mit Ihrem Vorgehen den Anschein, dass kritische Berichterstattung von Ihrer Seite nicht gewünscht ist. Im Sinne der Pressefreiheit fordern wir uns in unserer Berichterstattung nicht zu behindern und künftig zu derart wichtigen Terminen eingeladen zu werden.

Die PULS 4 NEWS Redaktion." (red, 20.8.2015)

  • Bundespräsident Heinz Fischer & Co in Traiskirchen.
    foto: apa/neubauer

    Bundespräsident Heinz Fischer & Co in Traiskirchen.

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