Mit alternativloser Zuversicht ins Rückspiel

20. August 2015, 16:46
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Rapid wurde nach dem 0:1 gegen Schachtar im Playoff-Hinspiel der Champions League von den siegreichen Ukrainern gelobt

Wien – Rapid hat noch nicht fertig. Die Mannschaft ist nach dem 0:1 gegen Schachtar Donezk nicht kollektiver Depression verfallen, man erfreute sich daran, einer nahezu hervorragenden Mannschaft Paroli geboten zu haben. Wie sagte Innenverteidiger Mario Sonnleitner so schön: "Wir sind nicht weit weg, wir müssen in Lemberg alles raushauen, was in unseren Körpern steckt."

Es gibt freilich Gründe dafür, den Aufstieg in die Gruppenphase der Champions Legaue zu verpassen, sich mit der auch netten Europa League begnügen zu müssen. Da wäre die Abgeklärtheit der Ukrainer, die in der Defensive wenig zugelassen haben, offensiv sind sie sowieso eine Augenweide. Naivität, wie sie Ajax im Heimspiel an die Nacht gelegt hat (3:2 für Rapid), ist auszuschließen. Schachtar weist ein Durchschnittalter von 28 Jahren auf, die Niederländer waren im Vergleich ein Kindergarten (20,5).

Trainer Zoran Barisic erkannte messerscharf, dass sich die Ausgangslage verschlechtert hat. "Wir waren davor Außenseiter, sind es nach dem 0:1 erst recht. Hätten wir ein 1:1 erreicht, hätte sich wenig geändert." Mathematisch betrachtet ist alles sogar einfacher geworden. "Wir müssen am Dienstag auswärts gewinnen, das ist alternativlos." Das Komplizierte daran ist, "dass du gegen so ein Team das Glück auf deiner Seite haben musst". Wobei Barisic die Niederlage in Wien nicht auf den Faktor Pech reduzierte. "Siege im Fußball sind verdient."

Gestreute Rosen

Die Ukrainer streuten Rapid Rosen, Trainer Mircea Lucescu, ein 70-jähriger Rumäne, sang ungefragt eine Lobeshymne: "Man hat gesehen, dass es kein Zufall ist, dass Rapid die österreichische Meisterschaft anführt und 46.400 Zuschauer ins Stadion kommen. Die Mannschaft ist sehr gut, es kann noch alles passieren." Die beiden Brasilianer Taison und Marlos, die 2012 als Angestellte von Metalist Charkiw gegen Rapid in der Europa League gekickt haben, zeigten sich erstaunt. Taison: "Dieser Klub ist in vielerlei Hinsicht stärker geworden. Vor allem die taktische Leistung war fantastisch. Sie haben zwar keine großen Namen, aber im modernen Fußball braucht man nicht unbedingt Stars, um erfolgreich zu sein. Wir haben nur den ersten Schritt gemacht." Torschütze Marlos: "Es war weit schwieriger als gegen Fenerbahce."

Der in einem Kopfballduell mit Srdjan Grahovac verletzte Taras Stepanenko konnte am Donnerstag den Heimflug antreten. Er musste ins Spital gebracht, die Kopfwunde mit sieben Stichen genäht werden. Unmittelbar nach dem Zusammenprall hatte er kein Gefühl im linken Arm, es ist Stunden später zurückgekehrt. Marlos: "Das Match war sehr umkämpft. Es gab blutenden Kopfwunden, weil die Spieler auf beiden Seiten alles gegeben haben."

Barisic hat darauf verzichtet, über durchaus vorhandene Defizite zu referieren. In der letzten halben Stunde war keine Chancen kreiert worden, bisweilen mangelte es an Präzision, der Ball zirkulierte nur phasenweise. Kapitän Steffen Hofmann blieb positiv, die Zuversicht kennt keine Alternative. "In Amsterdam haben wir aus jedem Schuss ein Tor gemacht. Wir müssen an uns glauben." Barisic: "Wir sind noch nicht fertig." (Christian Hackl, 20.8.2015)

  • Rapid verlor ein intensiv geführtes Match. Im Rückspiel muss ein Sieg her.

    Rapid verlor ein intensiv geführtes Match. Im Rückspiel muss ein Sieg her.

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