"Vacation": Schwarzer Urlaub im blitzblauen Van

21. August 2015, 13:00
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Die US-Komödie tröstet herzhaft über das nahende Ferienende hinweg

Wien – Eine Fahrt in die Ferien gehört zu den größten Herausforderungen eines Familienlebens. Neben den Spannungen zwischen Eltern und Kindern sind es oft die äußerlichen Begleitumstände, die den blanken Horror heraufdräuen lassen. Die US-Komödie Vacation (Regie: Jonathan Goldstein, John Francis Daley) beginnt mit einem dementen Piloten im Cockpit und steigert sich von dort.

Vacation ist die Fortsetzung von John Hughes' National Lampoon's Vacation der Familie Griswold (1983) und enthält so ziemlich alles, wovor man auf einer Ferienfahrt Angst haben sollte: ein unkontrollierbares Mietauto, versiffte Motels, Schnulzen von Seal.

Um seiner Frau Debbie (Christina Applegate) und den beiden Söhnen (ein darstellerischer Doppelgewinn: Skyler Gisondo und Steele Stebbins) ein tolles Ferienerlebnis zu ermöglichen, denkt sich Papa Rusty (Ed Helms) etwas Schönes aus: Er tritt, wie seine Eltern einst mit ihm, eine Fahrt zum Themenpark Wally World an, 2600 Meilen gen Westen entfernt. Ein typisch amerikanisches Brennstoffunterfangen, dem die Selbstkritik schon durch die blanke Tatsache eingeschrieben ist.

Ein Hauptakteur dieses halsbrecherisch-lustigen Roadmovies ist deshalb auch ein blitzblauer albanischer Mietwagen vom Typ Tartan Prancer, ein für den Film gebauter Van, dessen Steckdose (Hybridmotor!) wie bei einem fliehenden Bügeleisen auf dem Highway gefährlich hinterherflattert. Das exzentrische Automobil verfügt über einen Outdoor-Becherhalter und anderes dramaturgisch aufregendes Zubehör.

Zementiertes Familienkonzept

Entlang des Weges entlarvt der Film amerikanische Idyllen und Mythen sowie ein zementiertes Familienkonzept, das einen an der Rolle des souveränen Vaters scheiternden Mann zeigt, der besser beraten wäre, einmal lockerzulassen und die Zügel an seine bessere Hälfte zu übergeben (die ihrerseits kopfnickend alles mitmacht, weil sie denkt, das wäre für die Ehe gut).

Nach einem denkwürdigen Abstecher zur ehemaligen Highschool, einem ebenso schmerzhaften Zwischenstopp im Naturthermalbad, sowie einem notgedrungenen Besuch bei politisch andersdenkenden Verwandten (Chris Hemsworth als konservativer Rinderfarmbesitzer und sexuell sichtlich ausgelasteter Schwager – eine Karikatur auf Hemsworths "Thor"-Götterrolle) landen die Griswolds in der unfreundlichen Bed-and-Breakfast-Herberge der Großeltern in San Francisco (dargestellt von den Griswold-Eltern anno 1983: Chevy Chase und Beverly D'Angelo).

Da ist das Ziel nicht mehr weit und die bewaffnete Prügelei der Wachebeamten am für friedliche Grenzen stehenden Four Corners Monument überstanden.

Vacation lässt dort differenzierte Töne durchklingen, wo es um das Gebilde Familie geht. Sie alle bringen irgendwie Verständnis füreinander auf, und wenn der derangierte Papa am Steuer seines stillosen Gefährts als Stimmungsaufheller Seals Kiss from a Rose zu singen anfängt, dann ist das ein Moment heftigen Kitschs und großer Tragik zugleich. (Margarete Affenzeller, 21.8.2015)

  • Nicht jeder Tümpel ist eine gesunde Heißwasserquelle: Rusty (Ed Helms) und Debbie Griswold (Christina Applegate) in "Vacation".
    foto: hopper stone / warner bros

    Nicht jeder Tümpel ist eine gesunde Heißwasserquelle: Rusty (Ed Helms) und Debbie Griswold (Christina Applegate) in "Vacation".


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    Deutschsprachiger Trailer.

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