Asylmisere: Parteikritiker fordern Absage des Kanzlerfests

20. August 2015, 14:47
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Für Faymann kommt das nicht infrage. Dafür wird die Volkshilfe in Altmannsdorf Spenden sammeln. Andere SPÖ-Funktionäre fahren nach Traiskirchen

Wien – Das Kanzlerfest der SPÖ wird nicht abgesagt. Und auch nicht verlegt. Es soll wie geplant am Freitagabend im parteieigenen Gartenhotel Altmannsdorf stattfinden, das Wetter passt auch. "24 Grad Sonne", frohlockt Matthias Euler-Rolle, der Kommunikationschef der SPÖ.

Im Vorfeld des Festes war es innerhalb der SPÖ zu einer Diskussion gekommen, ob es angesichts der Misere um die Flüchtlingsunterbringung angebracht wäre, das Fest abzusagen. Die Initiative Kompass, in der sich die parteiinternen Kritiker rund um den Traiskirchner Bürgermeister Andreas Babler zusammengefunden haben, forderte die Bundes-SPÖ auf, das Fest abzusagen oder zu verlegen. "Wir halten es in der derzeitigen Situation für angebracht, dass die Kosten für das Kanzlerfest besser der Unterstützung von Flüchtlingen dienen", heißt es in dem Schreiben.

Unwürdiges Zeichen

"Außerdem wäre es ein würdiges sozialdemokratisches Zeichen, wenn die vielen eingeladenen SPÖ-Funktionärinnen sich die Zeit nehmen und einen Nachmittag mit geflüchteten Menschen verbringen."

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Gerhard Schmid erklärt auf Anfrage des STANDARD, warum er eine Absage oder Verlegung des Festes nicht für sinnvoll hält: "Das SPÖ-Sommerfest hat eine jahrelange Tradition als politisches Fest, bei dem es immer zahlreiche Diskussionen und Gespräche, auch zu vielen aktuellen und sozialen Themen, gibt. Außerdem wird heuer die Volkshilfe erstmals eine Sammlung veranstalten, bei der unseren Gästen die Möglichkeit gegeben wird zu spenden."

Jugend überlegt Aktion

Die Sozialistische Jugend will das Kanzlerfest jedenfalls nicht in aller Ruhe über die Bühne gehen lassen und überlegt, wenigstens zu Beginn eine Aktion zu machen, um Parteifreunde und Medien auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam zu machen.

Traiskrichens Bürgermeister Andreas Babler erklärt, er werde nicht zum SPÖ-Fest nach Wien kommen: "Es gibt keinen Grund zum Feiern, wenn Familien ein paar Kilometer weiter im Freien übernachten müssen." Aber, fügt Babler an, auch der generelle Zustand der SPÖ biete keinen Anlass für ein Fest.

Das SPÖ-Fest sei ohnedies kein Champagnergelage, beruhigt Euler-Rolle, hier gehe es um politische Diskussionen und Begegnungen, um einen Austausch. Mehr als 2000 eingeladene Gäste haben ihr Kommen zugesagt, neben Parteifunktionären sind darunter traditionell zahlreiche Künstler und viele Journalisten.

Keine Häupl-Rede

Nach der Begrüßung durch Schmid und Euler-Rolle wird Bundeskanzler und Gastgeber Werner Faymann eine Rede halten, der Physiker Werner Gruber soll danach in einem politisch-astronomischen Kabarett einen physikalischen Versuch vorführen. Weitere Reden wird es nicht geben, auch nicht von Wiens Bürgermeister Michael Häupl. "Das soll nicht der Wahlkampfauftakt der SPÖ werden", sagt Euler-Rolle, der für die Organisation verantwortlich ist.

Dennoch gibt es in der SPÖ viele, die das Fest sehr wohl als inoffiziellen Wahlkampfauftakt sehen und hoffen, dass Häupl endlich in den Wahlkampfmodus schaltet. Der Bürgermeister wird jedenfalls auf dem Fest sein, wie auch Reinold Entholzer, der Chef der oberösterreichischen SPÖ, der zwei Wochen vor dem Wien-Termin seinen Wahlgang zu bestreiten hat.

Niessl-Auftritt unklar

Ob auch Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl, der sich in der Partei mit der Koalition mit den Freiheitlichen viele Feinde gemacht hat, kommen wird, ist noch unklar, eingeladen wäre er jedenfalls.

Das SPÖ-Sommerfest gibt es seit der Kanzlerschaft von Fred Sinowatz, es wurde stets als "Kanzlerfest" gefeiert, in Zeiten der Opposition nach Viktor Klima war es dann schlicht und etwas bescheidener das "Sommerfest".

Nur ein einziges Mal wurde das Kanzlerfest abgesagt, das war 2008, als Alfred Gusenbauer in einer tiefen Krise steckte. Gusenbauer war zwar noch Kanzler, aber nicht mehr Parteichef. Es gebe keinen Grund zum Feiern, begründete er damals die Absage, die letzten Tage und Wochen seien nicht spurlos an ihm und der SPÖ vorbeigegangen. "Ein großes Fest würde ich zum jetzigen Zeitpunkt als unpassend empfinden", schrieb Gusenbauer an die Eingeladenen. (Michael Völker, 20.8.2015)

  • Werner Faymann bei einem früheren Sommerfest im Gartenhotel Altmannsdorf. Auch heuer soll  das Kanzlerfest wie gehabt stattfinden, trotz Bedenken und Protesten einiger Parteifreunde.
    foto: apa/punz

    Werner Faymann bei einem früheren Sommerfest im Gartenhotel Altmannsdorf. Auch heuer soll das Kanzlerfest wie gehabt stattfinden, trotz Bedenken und Protesten einiger Parteifreunde.

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