Quartiergeber für Flüchtlinge haben es schwer

21. August 2015, 05:30
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Am Beispiel Bad Aussee zeigt sich, wie kompliziert es sein kann, Unterkünfte für Asylsuchende auf die Beine zu stellen

Bad Aussee – Wie kompliziert und hürdenreich es ist, Betreuungsplätze für Flüchtlinge zu organisieren, illustriert das aktuelle Beispiel im steirischen Bad Aussee. Hannes Androsch hatte zuletzt im STANDARD-Interview scharf kritisiert, die Stadt Bad Aussee habe Unterkünfte und Betreuung für Flüchtlinge angeboten, dies sei aber von übergeordneten Stellen nicht angenommen worden. Ein Vorwurf, der in letzter Zeit oft zu hören ist. Angebotene Betreuungsplätze würden von Land oder Bund ignoriert und nicht in Anspruch genommen.

Ganz so, wie Hannes Androsch die Sache dargestellt hat, ist der Fall in Bad Aussee allerdings nicht – kompliziert aber schon.

Problem mit Betreuung

Tatsächlich hatte der Stadtrat in Bad Aussee schon im November 2014 einstimmig beschlossen, fünf Flüchtlingsfamilien in fünf Wohnungen im Bereich einer Seniorenwohnanlage aufzunehmen. Gemeldet wurde das damals an das Land, konkret dem Referat für Flüchtlingsangelegenheiten. Mit dem Zusatz, als Betreiber werde die Caritas auftreten. Die Caritas musste aber absagen, man sehe sich wegen Personalmangels außerstande, die Wohneinheiten zu betreuen. Auch die Diakonie konnte wegen Kapazitätsmangels nicht einspringen, sagt Josef Reinprecht vom Büro der für Flüchtlingsagenden zuständigen Landesrätin Doris Kampus (SPÖ).

Der Sozialausschuss in Bad Aussee hatte schließlich nach einem Antrag der Grünen im Mai 2015 vorgeschlagen, die Gemeinde könne selbst die Funktion des Betreibers übernehmen. Bürgermeister Franz Frosch aber winkte ab: Dazu fehle das Personal. Es gebe zwar genügend Freiwillige, aber Betreuung brauche eine professionelle Struktur.

Problem mit Gemeinde

Der Ausseer Arzt Diether Ribitsch wiederum kritisiert jetzt den Bürgermeister: "Er will plötzlich nur mehr 15 Flüchtlinge insgesamt aufnehmen." Ribitsch, der sich in der Sache gemeinsam mit einer Gruppe Bad Ausseer Bürger – inklusive dem örtlichen Pfarrer – engagiert, sagt: "Laut der von der Bundesregierung beschlossenen Quote von 1,5 Prozent müsste Bad Aussee 75 Flüchtlinge aufnehmen." Eignen würde sich der Ort gut: "Wir stehen seit Monaten bereit", sagt Ribitsch.

Die Gruppe von Freiwilligen habe der Gemeindevertretung mehrfach angeboten, ehrenamtlich Deutschkurse abzuhalten, die Flüchtlinge bei Behördenwegen zu unterstützen und den Kontakt mit der ansässigen Bevölkerung herzustellen. In Zusammenarbeit mit Psychologen der Klinik für Psychosomatische Medizin in Bad Aussee wäre auch eine spezielle Unterstützung für traumatisierte Flüchtlinge möglich, sagt der Arzt.

Viele Freiwillige

Zehn Monate nach dem positiven Gemeinderatsbeschluss beginnt sich jetzt etwas zu rühren. Das Land Steiermark will die Betreuung über die Caritas organisieren, zumal im Ausseerland ein ganzes "Wohnungsbündel" für Flüchtlinge bereitstünde – da könnten die Bad Ausseer Plätze mitbetreut werden. Und auch der Bürgermeister meint, dass nun unabhängig vom Land mit der Caritas eine Lösung gefunden worden sei. Und außerdem: Die Quote von 75 Flüchtlingen sei im Ort durchaus zu erfüllen, "weil auch viele Freiwillige mithelfen", sagt Bürgermeister Franz Frosch.

Dass aktuell nun weniger Flüchtlinge aufgenommen werden sollen, gibt Frosch zu. Eine der fünf Wohnungen habe man mittlerweile einem Obdachlosen zur Verfügung stellen müssen. Er hoffe jedenfalls auf eine Zuteilung von Flüchtlingsfamilien. Denn im Seniorenheim geben es bereits einige Vorbehalte gegen Flüchtlinge. "Wenn nur Männer kommen, ist das nicht optimal", sagt der Bürgermeister.

Dass es rascher gehen kann, zeigen die Nachbargemeinden von Bad Aussee: Bad Mitterndorf hat kürzlich 16 Flüchtlingsfamilien aufgenommen – ebenso wie die Gemeinde Tauplitz. In beiden Orten haben Private die Quartiere zur Verfügung gestellt. (Walter Müller, Petra Stuiber, 21.8.2015)

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