Erster stromproduzierender Dachgarten in Wien präsentiert

20. August 2015, 14:22
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Das Boku-Projekt ermöglicht die Kombination von Photovoltaik und Grüngarten für Energiegewinnung und besseres Mikroklima

Wien – Künftig müssen sich Bauherren nicht mehr zwischen Stromgewinnung per Photovoltaik und Begrünung entscheiden: Ein Projekt der Universität für Bodenkultur (Boku) bringt Strom und Grün auf ein Dach. Der erste kombinierte Probe-Dachgarten wurde am Donnerstag präsentiert. Nun sucht man nach konkreten Bauprojekten, bei denen der Multifunktionsgarten umgesetzt werden kann.

foto: irene zluwa, iblb ag vegetationstechnik, boku wien

"Das Projekt hat flächenkonkurrierende Bereiche zusammengebracht", sagte Boku-Rektor Martin Gerzabek bei der Präsentation des Prototyps auf dem Dach eines Boku-Gebäudes. Denn mit den Dachgartenmodulen können gleich drei Funktionen erfüllt werden: mehr Lebensraum – inklusive Urban-Gardening-Möglichkeit – für die Bewohner und Nutzer des Gebäudes, Begrünung, die für ein besseres Mikroklima sorgt, und Stromgewinnung durch lichtdurchlässige Photovoltaik-Module.

Schatten, Wasser und Technikversteck

Die pergolaartige Konstruktion sorge zudem für Schatten, speichere Regenwasser für ein intelligentes Bewässerungssystem und biete Möglichkeiten, um Haustechnikaufbauten zu verstecken, sagte Projektleiterin Susanne Lins. Auch in kommenden Hitzeperioden kann der Dachgarten ein bisschen Abhilfe schaffen: Die gefühlte Temperatur sei im Sommer drei bis fünf Grad niedriger – im Winter werde das Klima als wärmer und angenehmer empfunden. Die Pflanzen dienen zudem als Feinstaubfilter.

foto: iki, ag ressourcenorientiertes bauen, boku wien

Die Kosten für die Stahl-Alu-Holz-Konstruktion seien vergleichbar mit jenen für einen Wintergarten, so Lins. Ein 56-Quadratmeter-Modul kommt auf 79.500 Euro. Allerdings könne mit der Dachkonstruktion auch Geld gespart werden: Die Photovoltaik-Anlage erzeuge jährlich etwa 5.500 Kilowattstunden Strom, zudem gebe es geringere Abwasserentsorgungskosten, und es könne weniger Dämmmaterial eingesetzt werden.

foto: iki, ag ressourcenorientiertes bauen, boku wien

Grundsätzlich ist der kombinierte Dachgarten eher für Neubauten gedacht, je nach Statik könne er aber auch auf bestehende Gebäude aufgesetzt werden. Derzeit sucht das Team der Boku noch nach konkreten Umsetzungsprojekten, ein erstes könnte auf den Mellergründen in Wien-Liesing entstehen. (APA, 20.8.2015)

  • Der Versuchsgarten auf dem Dach eines Boku-Gebäudes.
    foto: irene zluwa, iblb ag vegetationstechnik, boku wien

    Der Versuchsgarten auf dem Dach eines Boku-Gebäudes.

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