Propaganda-Beschallung: Nordkorea droht Seoul mit "militärischem Eingreifen"

20. August 2015, 14:56
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Gegenseitiger Beschuss an Grenze – Pjöngjang stellt Südkorea 48-Stunden-Ultimatum

Seoul/Pjöngjang – Der zuweilen bizarr anmutende Streit um die Wiederaufnahme der gegenseitigen Beschallung an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea hat am Donnerstag eine ernste Wendung genommen. In Reaktion auf Lautsprecher-Propaganda aus dem Süden gab Nordkoreas Armee Schüsse in Richtung Süden ab. Eine Eskalation wurde vorerst offenbar vermieden, Artilleriebeschuss Südkoreas über die Grenze blieb unbeantwortet. Allerdings drohte der Norden mit "militärischem Eingreifen", sollte die Beschallung nicht binnen 48 Stunden enden. Später hieß es in einer Mitteilung aus Pjöngjang aber auch, die Regierung sei bereit, einen "Ausweg aus der gegenwärtigen Situation" zu finden.

Eskalation nach Minenexplosion

Hintergrund ist ein Streit, der vor rund einer Woche ausgebrochen war: Damals waren zwei südkoreanische Soldaten verletzt worden, als eine Landmine während eines Kontrollgangs an der Grenze explodierte. Der Norden wies jede Schuld von sich, Seoul machte dennoch Pjöngjang verantwortlich und nahm in der Folge die Propaganda-Beschallung wieder auf, die beide Staaten im Jahr 2004 eingestellt hatten.

Beschallung reicht 24 Kilometer weit

Zwar zog Nordkorea wenig später mit eigenen Lautsprecher-Botschaften nach. Nordkoreas Equipment ist allerdings, glaubt man der südkoreanischen "Korea Times", deutlich leiser. So seien die Lobpreisungen für das Juche-System und Machthaber Kim Jong-un nur nahe der Grenze zu hören, während die Botschaften Südkoreas in den Nachtstunden bis zu 24 Kilometer ins Landesinnere des Nordens reichen, am Tag rund zehn Kilometer.

K-Pop, Wetter, Weltgeschehen

Inhaltlich handelt es sich bei den Mitteilungen aus dem Süden hauptsächlich um das Programm des Radiosenders Voice of Freedom, schreibt das Netzmagazin nknews.org. Dieser sende Mitteilungen über die Überlegenheit der Demokratie und Berichte über nordkoreanische Deserteure im Süden, aber auch Nachrichten, Wetterberichte und K-Pop.

Im Hintergrund der neuen Spannungen stehen auch die Manöver, die Südkorea derzeit gemeinsam mit den USA abhält. Seoul und Washington sehen diese als Routine, Pjöngjang als Vorbereitung auf einen Krieg. (Manuel Escher, 20.8.2015)

  • Südkoreas TV berichtete am Donnerstag über den gegenseitigen Beschuss.
    foto: ap / kim do-hun

    Südkoreas TV berichtete am Donnerstag über den gegenseitigen Beschuss.

  • Südkoreanische Lautsprecher an der Grenze auf Fotos des Verteidigungsministeriums. Die Technik blieb beim Schusswechsel am Donnerstag offenbar unbeschädigt.
    foto: apa / epa / south korean defense ministry

    Südkoreanische Lautsprecher an der Grenze auf Fotos des Verteidigungsministeriums. Die Technik blieb beim Schusswechsel am Donnerstag offenbar unbeschädigt.

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