Forscher enthüllen mit 3D-Digitalisierung von Kunstwerken Verborgenes

20. August 2015, 11:05
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Wissenschafter der ETH Lausanne wollen Start-up-Firma gründen – Projekt bisher von Google kofinanziert

Forscher der ETH Lausanne haben eine neue Methode entwickelt, mit der sich Kunstwerke dreidimensional digitalisieren und von allen Seiten betrachten lassen. Sie haben sie an echten Kunstwerken der Fondation Martin Bodmer erprobt.

Das Instrument besteht aus einer Kuppel, die mit kleinen Lampen besetzt ist. Das zu digitalisierende Objekt wird darunter gelegt und mehrfach fotografiert, während es jeweils von einer anderen Lampe beleuchtet wird. Aus dem Bildermosaik kann das Objekt in drei Dimensionen virtuell zusammengesetzt werden.

Details

Das Kunstwerk kann dann auf dem Computer in alle Richtungen gedreht oder auch vergrößert werden, um seine Struktur zu betrachten. Man kann auch die Beleuchtung des Objekts verändern und so bestimmte Details zum Vorschein bringen, die anderweitig unsichtbar geblieben wären.

"Man könnte ein Manuskript des Johannes-Evangeliums, das im Besitz der Fondation Bodmer ist, wie zur Zeit seiner Entstehung im dritten Jahrhundert mit einer römischen Öllampe beleuchten", begeistert sich Nicolas Ducimetiere von der Stiftung in Cologny. Bei solch einem Dokument erlaubt die Digitalisierung den Blick bis hinab auf die Pflanzenfaser.

Projekt bisher von Google kofinanziert

Bisher wurden mit der Apparatur rund 40 Werke aus der Bodmer-Sammlung digitalisiert, zum Beispiel ägyptische Stelen, Münzen und ausgewählte Seiten aus Büchern mit Buchmalereien von unschätzbarem Wert. Drei Jahre haben die Forscher für die Entwicklung gebraucht, die vom Google-Konzern mitfinanziert wurde.

Bald wollen die Wissenschafter ihr Gerät auch kommerziell anbieten und bereiten deshalb die Lancierung einer Start-up-Firma vor. Sie hoffen, dass sich Museen, Auktionshäuser oder große Privatsammlungen für die Technologie interessieren werden. Die neue Technologie könnte auch bei der Überprüfung helfen, ob ein Gemälde echt ist, wobei das Maß an Details der Originalarbeit quasi als Fingerabdruck dient. (APA, 20.8.2015)

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