Salzburg: "Jedermann"-Ensemble blies gegen Strache an

20. August 2015, 19:11
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Aus Protest gegen die FPÖ-Spitze im Publikum stimmten Musiker die "Internationale" an, doch die erkannte die Melodie nicht

Salzburg – Am Dienstagabend hat FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache die Salzburger Festspiele besucht – er saß er unter anderem mit seinem Stellvertreter Johann Gudenus vor der "Jedermann"-Tribüne auf dem Salzburger Domplatz. Laut einem Bericht der "Salzburger Nachrichten" bemerkte das Schauspielerensemble die blaue Gästeschar im Publikum – und in einer spontanen Aktion stimmten die Musiker beim Einzug der Tischgesellschaft die "Internationale" an, um ihren Unmut darüber auszudrücken.

Menschenverachtende Politik

"Die FPÖ vertritt eine menschenverachtende Politik", zitieren die "Salzburger Nachrichten" Katharina Stemberger, die als Schuldenknechts Weib auf der Bühne stand. Ihr missfällt, dass die FPÖ angesichts des Flüchtlingsandrangs für Abschiebungen mit Militärflugzeugen eintritt, damit man die Menschen nicht schreien hört. Auf ihrer Facebook-Seite ließ Stemberger in Anspielung auf den musikalischen Protest ihrer Kollegen wissen: "Ich liebe diese Truppe!"

Nichts bemerkt

Schlagzeuger Robert Kainar, der die 13-köpfige "Jedermann"-Formation Ensemble 013 leitet und ebenfalls von der Zeitung zitiert wird, bestätigt die politische Intention der musikalischen Neuinszenierung.

Bloß: Weder Strache noch Gudenus sollen den Protest bemerkt haben. Straches Vize sagte den "Salzburger Nachrichten", die Inszenierung sei "toll" gewesen. "Das Stück war gut, kurzweilig und unterhaltsam."

Kickl kontert

Als peinliche und lächerliche Selbstinszenierung wertete FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl das Verhalten der Musiker. Der ach so mutige "Protest" sei offenbar danebengegangen, da niemand die "Internationale" als solche erkannt habe. Ob das möglicherweise an der mangelnden Qualität der Musiker gelegen habe, sei dahingestellt, erklärte er.

Jedenfalls zeuge es grundsätzlich von einer sehr problematischen Geisteshaltung, wenn man Personen, deren Überzeugungen man ja nicht teilen müsse, die Teilnahme an einer kulturellen Veranstaltung verweigern oder sie ihnen zumindest vergällen wolle. Das Ensemble, das sich jetzt gegenseitig vor lauter Begeisterung selbstbeweihräuchernd auf die Schultern klopfe, habe offenbar aus der Geschichte nichts gelernt, ätzte Kickl. Abgesehen davon seien zwei Zeilen aus der dritten Strophe der "Internationale" ohnehin sehr zutreffend für die FPÖ: "In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute, wir sind die stärkste der Partei'n."

Bechtolf distanziert sich

Die Direktion der Salzburger Festspiele hat sich am Donnerstag deutlich von dem Protest gegen Strache distanziert. Man entschuldige sich bei den Zuschauern für die Störung, hieß es gegenüber Ö1.

"Private oder politische Meinungskundgebungen der Künstler haben in keiner der Vorstellungen der Salzburger Festspiele die Billigung der Festspielleitung und wir haben das Ensemble ausdrücklich darauf hingewiesen, dergleichen in Zukunft zu unterlassen", ließ der künstlerische Direktor Sven-Eric Bechtolf demnach in einer schriftlichen Stellungnahme wissen. (red, 20.8.2015)

Kulturglosse: Strache in Salzburg

  • Bei der "Jedermann"-Aufführung in Salzburg bliesen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache die Musiker aus Protest die "Internationale" vor. Er soll es nicht bemerkt haben.
    foto: apa/barbara gindl

    Bei der "Jedermann"-Aufführung in Salzburg bliesen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache die Musiker aus Protest die "Internationale" vor. Er soll es nicht bemerkt haben.

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