Glück und Pech, Hand und Fuß

19. August 2015, 16:58
1 Posting

Bei der Judo-WM in Kasachstan strebt Österreich die erste Medaille seit 2010 an

Wien – Astana liegt auf dem Weg nach Rio de Janeiro, im Judo jedenfalls. Österreich schickt fünf Damen und vier Herren zur Weltmeisterschaft in der kasachischen Hauptstadt, wo es ab Montag um wichtige Qualifikationspunkte für Olympia 2016 geht. Den Damen ist mehr zuzutrauen, sie sind nicht nur mehr, sondern schneiden auch seit Jahren international besser ab. Derzeit liegen Kathrin Unterwurzacher (Klasse bis 63 kg) als Vierte, Bernadette Graf (bis 70 kg) als Fünfte und Sabrina Filzmoser (bis 57 kg) als Neunte in den Top Ten der Welt. Die Herren mit dem Ranglisten-19. Ludwig Paischer (bis 60 kg) kämpfen um den internationalen Anschluss.

Hohe Ziele

"Wir wollen bei jedem Turnier eine Medaille holen", sagt Österreichs Damentrainer Marko Spittka ungeachtet der Tatsache, dass die WM äußerst stark besetzt ist. Die Felder in den einzelnen Gewichtsklassen umfassen fünfzig oder mehr Teilnehmer, pro Land sind je zwei Judoka startberechtigt, Rio 2016 wird vergleichsweise klein, aber fein. Dass Olympia nur eine Kämpferin respektive einen Kämpfer pro Nation zulässt, ist aus österreichischer Sicht da und dort ein Pech, in der 63-kg-Klasse beispielsweise, da neben Unterwurzacher derzeit auch Hilde Drexler die internationale Norm erfüllt hätte. Andererseits haben speziell einige Herren das Glück, dass sie in bereinigten Ranglisten von relativ weit hinten relativ weit nach vorn rutschen. So besetzen neben Paischer aktuell auch Marcel Ott (- 81 kg) und Daniel Allerstorfer (+100 kg) olympische Quotenplätze.

Sportminister Gerald Klug hatte Judo kürzlich im Hinblick auf Rio als eine "Kernsportart" bezeichnet. Die jüngere Vergangenheit untermauert das nicht, die bis dato letzte WM-Medaille, eine bronzene, holte Filzmoser vor fünf Jahren. Die Welserin, die dreimal Europameisterin war und zehn Weltcupturniere gewann, blickt auf eine durchwachsene Saison zurück. "Kleinere Verletzungen" hätten ihr zu schaffen gemacht, sagt die 35-Jährige, doch jetzt sei sie "zufrieden mit der Form".

Eine Tirolerin in der Weltelite

Größte Hoffnungsträgerin in Astana ist wohl die 23-jährige Tirolerin Kathrin Unterwurzacher. Sie etablierte sich heuer in der Weltspitze, holte in Baku ihren ersten Grand-Slam-Titel, erreichte beim World-Tour-Masters in Rabat das Finale. Allein bei der EM scheiterte sie überraschend früh. "Der Körper hat nach vielen Belastungen nach einer Pause verlangt, die hab ich ihm dann auch gegeben." Nun sei "der Speicher wieder aufgeladen".

Unterwurzacher sagt, sie habe es "selbst in der Hand, um eine Medaille mitzukämpfen". Ähnliches gilt für die Hand von Bernadette Graf, ebenfalls 23 und aus Tirol, die nach dreimal EM-Bronze sozusagen den nächsten Schritt setzen will.

Schritte bereiten Ludwig Paischer (33) nach einer Knöchelverletzung keine Probleme mehr. Auf der Matte aber ist der Salzburger gehandicapt. Ginge es nicht um Rio, so würde er auf Astana pfeifen, sagt der Olympiazweite 2008. "Aber es geht um Rio." (Fritz Neumann, 19.8.2015)

  • Kathrin Unterwurzacher ist Nummer vier der Welt.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Kathrin Unterwurzacher ist Nummer vier der Welt.

Share if you care.