Krebszellen führen trojanischen Invasionskrieg

22. August 2015, 10:30
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Schweizer Wissenschafter enthüllen Tricks bösartiger Tumorzellen

Bern – Mutierte Zellen erlangen die Fähigkeit, sich unter gesunde Zellen zu mischen, sie einzukreisen und zu töten. Diese trojanische Strategie eröffnet Berner Forschern zufolge neue Möglichkeiten, um Krebs an der Wurzel zu packen.

Das Team von Eduardo Moreno vom Institut für Zellbiologie der Universität Bern hat Fruchtfliegen ein künstlich aktiviertes Gen namens Myc eingesetzt. Dieses spielt bei der Entstehung von Tumoren eine wichtige Rolle. Im Anschluss haben die Forscher die Entwicklung der Zellen in Fruchtfliegenpuppen unter dem Mikroskop gefilmt.

Die Aktivierung verlieh den abnormalen Zellen spezielle mechanische Eigenschaften, sodass sie sich aktiver teilten, sich zwischen gesunden Zellen durchzwängten, diese töteten und ihren Platz einnahmen.

Dass dieser Mechanismus beim Befall von Gewebe im ersten Stadium der Tumorentwicklung mitspielt sei neu und unerwartet, teilte der Schweizerische Nationalfonds (SNF), der die Studie finanziert hat, mit.

Bekannt war laut den Forschern, dass dieser Invasionsmechanismus während der normalen embryonalen Entwicklung aktiv ist, wenn Zellen sich neu anordnen, um den Körper zu formen. "Wir haben nun gezeigt, dass Zellen in der Lage sind, dasselbe Programm zu verwenden, um in gesundes Gewebe einzudringen", erklärte Moreno.

Unter Tumoren weit verbreiteter Mechanismus

Wie bei den gefilmten Puppen bilden sich rund 90 Prozent aller Krebsarten in Epithelgewebe aus, also zum Beispiel im Darm, in der Haut oder in Drüsengewebe wie der Brustdrüse. Das manipulierte Myc-Gen ist das am häufigsten fehlregulierte Gen bei Tumoren.

Die Wissenschafter vermuten, dass dieser Mechanismus bei den meisten Krebsarten eine Rolle spielt. Er könnte Krebsforscher somit auf die Spur von neuen Strategien bringen, um die Tumorbildung im Anfangsstadium zu verhindern – bevor großer Schaden angerichtet wurde. (APA/red, 22.8.2015)

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