Was Rektoren verdienen, bleibt oft geheim

19. August 2015, 12:48
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Nur fünf Universitäten geben die Gehälter ihrer Rektoren an. Von Transparenz ist der Gesamtbereich weit entfernt

Die Gesamtpersonalkosten der Rektorate der heimischen Universitäten sind sehr unterschiedlich. Das lässt sich anhand ihrer Rechnungsabschlüsse ablesen. Die grüne Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer hat im Rahmen einer parlamentarischen Anfrage erfragt, wie hoch die Gehälter der Rektoren und Vizerektoren sind. Detailliere Aufstellungen darüber lieferten aber nur fünf Unis.

Da in den Rechnungsabschlüssen lediglich der Gesamtbetrag der Aufwendungen für die aus einem Rektor und bis zu vier Vizerektoren bestehenden Rektorate angegeben werden, sei nicht ersichtlich, "auf welche Höhe sich Gehälter und allfällige Sonderzahlungen der Rektoratsmitglieder belaufen", heißt es in der Anfrage an Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Laut dem Wissenschaftsministerium fällt der Inhalt der Anfrage in die Uni-Autonomie und daher nicht in die Zuständigkeit des Ressorts.

Die Hochschulen wurden aber um Stellungnahmen ersucht, die der APA vorliegen. Bis auf die Universität Innsbruck haben alle angesprochenen Unis (insgesamt 22) einer Veröffentlichung zugestimmt, heißt es in der Beantwortung. Mit dem Verweis auf den Datenschutz seitens der Unis finden sich in vielen Berichten aber wenig konkrete Angaben.

Kollegien sehr unterschiedlich

Die Jahres-Rechnungsabschlüsse für 2014 weisen große Unterschiede aus: Die Angaben (jeweils brutto) reichen von 286.544 Euro für das Rektorat an Wiener Universität für angewandte Kunst bis 1.117.499 Euro an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. Das liegt auch in der unterschiedlichen Personalstruktur der Rektorate begründet.

Die Angewandte gibt als eine von fünf Unis in ihrer Stellungnahme zur Anfragebeantwortung die Jahresgehälter im Rektorat im Detail an. Mit Stand Juli 2015 beläuft sich das Rektorengehalt auf 187.110 Euro. Die nebenamtlich tätigen Vizerektoren erhalten Funktionszulagen von 30.000 bis 36.000 Euro. Die Leistungsprämie des Rektors beträgt bei Erfüllung von mit dem Universitätsrat vereinbarten Kriterien zehn Prozent des Jahresgehalts.

Am anderen Ende des Gesamtaufwands-Spektrums in dem Bereich (wieder laut Rechnungsabschlüssen) steht die WU Wien: Auch sie ist unter den Unis, die detailliert Einblick in die Bezüge und Sonderzahlungen gibt. Das Gehalt des Rektors belief sich 2014 auf 234.830 Euro, die ausbezahlte Leistungsprämie auf etwa 35.043 Euro. Die Bezüge der Vollzeit-Vizerektoren bewegen sich in etwa zwischen 173.047 und 199.095 Euro, die Prämien liegen zwischen 25.901 und 29.710 Euro. An der WU ist das Rektorat mit insgesamt drei Vollzeit-Vizerektoren und einem nebenberuflichen Vizerektor breiter aufgestellt.

Nicht ganz transparent

Neben der Angewandten und der WU machten auch Österreichs größte Hochschule, die Universität Wien, sowie die Technische Universität Wien und die Kunstuniversität Linz genaue Angaben. An der Uni Wien betrugt 2014 das Rektors-Grundgehalt 207.691 und die Prämie 49.099 Euro. An der TU Wien wird seit 2011 für den Rektorsposten von einem Basisgehalt von 189.753 wertgesichert ausgegangen, wie sich das Gehalt seither detailliert entwickelt hat, steht nicht in den Angaben. Die ausbezahlte Rektorsprämie belief sich 2014 auf 37.252 Euro. An der Kunstuni Linz erhielt der Rektor in vergangenen Jahr 165.492 und eine Prämie von 24.823 Euro. Insgesamt dreizehn Unis nannten in ihren Beantwortungen Gesamtzahlen für das Rektorat.

Dass manche Hochschulen in ihren insgesamt sehr unterschiedlichen Stellungnahmen "sogar ganz ohne Zahlenangaben auskommen", ist für Maurer "schade, da hier eine Chance auf Transparenz vertan wurde". Als öffentliche Einrichtungen sollten die Unis ihrer Ansicht nach flächendeckend Angaben machen. Maurer bezeichnete die Rektorengehälter etwa im Vergleich zu einem Ministergehalt als "völlig überzogen", räumte allerdings ein, dass die Anforderungen an die Rektorate in den vergangene Jahre stark gestiegen seien. (APA, 19.8.2015)

  • Die Angewandte, die WU, die Uni Wien, die TU Wien und die Linzer Kunstuni machen sich transparent. Ansonsten herrscht "Datenschutz".
    foto: apa

    Die Angewandte, die WU, die Uni Wien, die TU Wien und die Linzer Kunstuni machen sich transparent. Ansonsten herrscht "Datenschutz".

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