A1 Now: Netflix-Konkurrent aus Österreich im Test

23. August 2015, 09:25
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Neuer Dienst derzeit noch in Beta-Phase – Zugriff auf Live-TV und Videothek

Die Möglichkeit, jederzeit und überall Lieblingsserien und -filme ansehen zu können, haben klassische Fernsehsender in die Bredouille gebracht. Anbieter wie Netflix und Amazon erfreuen sich großer Beliebtheit, während das lineare Fernsehen vor allem beim jüngeren Publikum an Bedeutung verliert. Der Erfolg der Streamingportale hat dazu geführt, dass nun zunehmend klassische Sender und TV-Anbieter das Publikum dort abholen wollen, wo es fernsehen möchte: auf Computer, Tablet und Smartphone. So hat A1 ein eigenes Streaming-Portal angekündigt, das noch 2015 an den Start gehen soll. Anders als Netflix bietet man nicht nur Filme und Serien, sondern setzt auch auf Live-Fernsehen. Am 17. August ist A1 Now in eine einmonatige Beta-Test-Phase mit 1.000 ausgewählten Nutzern gestartet.

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Die Startseite erinnert entfernt an das Kachel-Interface von Windows.

Fernsehen am Smartphone und Tablet ist keine Neuheit, auch nicht bei A1. Schon bisher hat das Unternehmen Zugang zu 40 Fernsehsendern auf iPhone, iPad und Android-Geräten geboten – als Ergänzung zu seinem TV-Angebot am Fernseher. Allerdings steht A1 TV Mobil nur den eigenen Kunden zur Verfügung und kann als Zusatzoption zu bestehenden Verträgen gewählt werden. Mit Now fischt das Unternehmen auch außerhalb des eigenen Kundenkreises. Ob man den Dienst über das Mobilfunknetz eines Konkurrenten oder das eigenen WLAN zu Hause nutzt, ist egal.

Benutzeroberfläche

Im Rahmen des Beta-Testes kann A1 Now im Browser, auf iOS und Android ausprobiert werden. Bis zu fünf Geräte lassen sich maximal anmelden. Die Benutzeroberfläche ist vor allem an der mobilen Nutzung über Touchscreens orientiert. Die Startseite erinnert entfernt an die Live-Kacheln von Windows. Hier wird gezeigt, was demnächst im Fernsehen kommt, welche neuen Inhalte es gibt, welche Inhalte man zur Aufnahme geplant hat sowie Empfehlungen durch A1. Ändern lässt sich das derzeit leider nicht. So ist es nicht möglich z.B. eigene Senderfavoriten anzupinnen.

Live-Fernsehen

Von der Startseite gelangt man schnell zu den verschiedenen Bereichen des Dienstes: Live-TV, TV-Programm, Videothek, Aufnahmen, Favoriten und Einstellungen. Das Live-Fernsehen ist simpel umgesetzt: aus einer nach oben und unten durchscrollbaren Liste wählt man einen von 40 Sendern. Eine kurze Überblicksseite zeigt Informationen zum aktuellen Programm – in der Beta-Phase hieß es hier allerdings stets "kein verfügbarer Inhalt".

Die Live-Fernsehfunktion ist in der Beta-Phase bereits recht nutzerfreundlich umgesetzt. Eine Ausnahme bildet das integrierte Fernsehprogramm, das teilweise noch falsche Angaben zeigt – z.B. die Inhalte der BBC beim österreichischen Sender GoTV verortet. Die Darstellung ist zudem etwas unübersichtlich, da sich Titel teilweise überlagern.

Nutzer haben die Möglichkeit die Sender über Listen zu sortieren, die man frei gestalten kann. So kann man beispielsweise eine News-Liste erstellen, zu der man alle Nachrichtensender hinzufügt. Auch gibt es die Möglichkeit nach einzelnen Inhalten zu suchen und Sender über die Erstellung verschiedener Profile zu sperren. Eltern können also beispielsweise das Programm für ihre Kinder im Auge behalten.

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A1 Now bietet Zugriff auf 40 Fernsehsender.
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"Doctor Who" auf GoTV? Hier hat der Programmguide in der Beta-Phase noch Schluckauf.

Cloud-Rekorder

In bereits angefangene Programme kann man direkt einsteigen oder sie dank des Cloud-Recorders von Anfang ansehen. Auch kommende Inhalte können auf Knopfdruck aufgenommen werden. Das gesamte Fernsehprogramm kann im Cloud-Recorder bis zu sieben Tage nachträglich angesehen werden. Einzelne Inhalte im Umfang von bis zu zehn Stunden stehen bis zu drei Monate zur Verfügung. Da es sich dabei um eine Zusatzoption handelt, wird A1 dafür vermutlich zum offiziellen Start eine Zusatzgebühr verlangen. Wieviel A1 Now kosten soll, hält der Provider aber noch geheim. Die Aufnahme funktioniert wie erwartet, allerdings hat sie im Test bei manchen Sendungen etwas verzögert begonnen, sodass man ein paar Minuten am Anfang verpasst.

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Über den Cloud-Recorder kann man das gesamte Fernsehprogramm und einzelne Inhalte aufnehmen.
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Einzelne Filme und Serien (maximal zehn Stunden) stehen bis zu drei Monate zur Verfügung.

Videothek

Wenig positiv fällt der erste Eindruck der Videothek aus. Bis Jahresende will man dort rund 3.000 Filme und Serienepisoden-Titel anbieten. In der Beta-Phase findet man derzeit rund 100 Filme und knapp 20 Serien – zwar durchaus populäre, jedoch ältere Titel. Aber auch nach der Aufstockung auf 3.000 Einzelinhalte wird man nicht an das Angebot von Netflix oder Amazon herankommen. Im Rahmen der Beta-Phase will man auch die Interessen der Tester analysieren um das Angebot entsprechend anzupassen, teilt A1 auf Nachfrage mit.

Und auch bei Zusatzoptionen und Angaben zu den Filmen hinkt man anderen Videotheken noch hinterher, so gibt es keine Informationen zur Auflösung und alle Filme stehen nur synchronisiert auf Deutsch zur Verfügung. Auf Nachfrage bei A1 heißt es, dass die Inhalte der Videothek "adaptiv bis hin zu HD übertragen" werden. TV-Inhalte werden in der Beta-Phase hingegen noch in SD gestreamt, später sei aber auch HD eine Option, so das Unternehmen.

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Die Videothek ist in der Beta-Phase noch spärlich bestückt und soll bis Jahresende auf 3.000 Filme und Serienfolgen ausgebaut werden.
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Haken im Browser

Am Computer stößt man übrigens auf eine kleine Hürde, denn zur Wiedergabe ist die Installation des Plugins "Verimatrix Viewright" notwendig. Das Plugin "stellt die Verschlüsselung der TV- und Video-Inhalte sicher", heißt es seitens A1. Das Problem: unter Googles Chrome wird es nicht mehr unterstützt. Das Netscape Plugin API (NPAPI) genüge aktuellen Sicherheitsstandards nicht mehr, wie Google vor einiger Zeit mitteilte. Auch Silverlight wird damit unter Chrome nicht mehr unterstützt, das lange Zeit von Netflix verwendet wurde. Mittlerweile setzt man dort auf HTML5.

A1 Now funktioniert also nur mit Internet Explorer (10+), Firefox und Safari. Jeder Browser wird dabei als ein eigenes Gerät von maximal fünf zulässigen gezählt. Auf Nachfrage heißt es seitens A1 dazu: "Der Schutz des Contents ist, gerade bei OTT-Angeboten (Anm.: Over-the-top), elementar. Die technische Umsetzung mittels Plugin ist nicht die einzige Möglichkeit, wir testen auch andere Optionen." Ganz allgemein muss man auch festhalten, dass die Benutzeroberfläche im Browser keine sehr gute Figur macht. Das Scrollen hakt teilweise noch stark, was an der Beta-Phase liegen kann. Der zusätzlich vorhandene Platz wird im Vergleich zu mobilen Displays nicht zur Darstellung von mehr Inhalten verwendet.

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Im Browser ist ein Plugin erforderlich, um A1 Now nutzen zu können.

Fazit

Auch wenn es sich erst um die Beta-Phase handelt, kann man wohl sagen, dass sich Netflix und Amazon in Österreich nicht fürchten müssen. Das Angebot an Filmen und Serien wird auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht an das der US-Größen heranreichen. Womit A1 Now aber durchaus punkten könnte, ist das Live-Fernsehen. Auch UPC bietet das Streaming von TV-Inhalte auf Smartphones und Tablets, allerdings funktioniert Horizon Go nur für die eigene Kundschaft zu Hause im WLAN und nicht über Mobilfunknetze. Bei A1 Now wird es diese Schranken nicht geben. Nun hängt alles am Preis, den der Provider dafür verlangen wird. Wie erwähnt lässt man sich hier noch nicht in die Karten schauen. (Birgit Riegler, 19.8.2015)

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