Was bedeutet die rätselhafte Inschrift auf dem River-Witham-Schwert?

22. August 2015, 11:50
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British Library in London ersucht via Internet um Mithilfe bei der Entschlüsselung der mysteriösen Buchstabenfolge

foto: the british museum

Die British Library in London widmet derzeit eine groß angelegte Ausstellung der Magna Carta, jenem Dokument aus dem Jahr 1215, das dem englischen Adel grundsätzliche politische Rechte gegenüber dem König gewährte. Eines der Ausstellungsstücke ist das River-Witham-Schwert, eine nach seinem Fundort, dem Fluss Witham in Lincolnshire, benannte kostbare Waffe aus dem 13. Jahrhundert. Das Außergewöhnliche an dem Schwert ist eine aus Golddraht geformte Inschrift auf der Klinge: +NDXOXCHWDRGHDXORVI+ steht dort geschrieben – und niemand weiß, was die mysteriöse Zeichenfolge zu bedeuten hat.

Nachdem sich die Experten an dem Code bislang die Zähne ausgebissen haben, sucht die British Library Hilfe über das Internet: "Helft uns, diese Inschrift zu entschlüsseln", bittet die Nationalbibliothek des Vereinigten Königreichs in einem Blog. Ein paar Dinge weiß man über das spezielle Stück. So dürfte sich das zweischneidige River-Witham-Schwert vermutlich im Besitz eines wohlhabenden Ritter befunden habe, denn nur jemand mit ausreichenden Geldmitteln konnte sich eine solche Waffe leisten.

Deutsche Qualitätsklinge

Die Klinge wurde wahrscheinlich von einem Schwertschmied im heutigen Deutschland hergestellt – und sie ist nicht die einzige derartige Blankwaffe. Rund um das Jahr 1200 kamen Schwerter mit Inschriften in Mode, wie Marc van Hasselt von der Universität Utrecht in dem Blog der British Library zu berichten weiß. Forscher vermuten, dass die Zeichenfolgen dieser Schwerter eine codierte lateinische Botschaft wiedergibt. Rätselhaft ist allerdings, dass das River-Witham-Schwert den Buchstaben "W" enthält, der im Lateinischen nicht existiert.

Ungewöhnlich am River-Witham-Schwert ist auch seine Machart: Die 96,4 Zentimeter lange Waffe besitz zwei sogenannte Hohlkehlen, auch bekannt als "Blutrinnen", obwohl damalige Schwerte üblicherweis nur eine besaßen. Dies, sowie das Heft, der Knauf und die Buchstabenform auf der Klinge ließen einige Experten vermuten, das Schwert habe seinen Ursprung bei den Wikingern. Diese Annahme wurde allerdings nach Vergleichen mit ähnlichen mittelalterlichen Waffen wieder verworfen.

Auch wenn unklar ist, was die Buchstabenfolge zu bedeuten hat, so haben die Forscher immerhin eine Vermutung: Vielleicht haben die Inschriften auf dem River-Witham-Schwert und vergleichbaren Waffen magische Bedeutung. Christianisierte Varianten germanischer Zaubersprüche waren noch weit ins Mittelalter allgemein gebräuchlich.

--> British Library: Help Us Decipher This Inscription

(red, 22.8.2015)

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