Paul Ehrlich: Der "Vater der Chemotherapie" starb vor 100 Jahren

20. August 2015, 05:30
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Deutscher Medizinier bekam 1908 den Nobelpreis für Beschreibung des Immunsystems

Frankfurt – Paul Ehrlich hat Therapien und Theorien entwickelt, die zahllosen Menschen das Leben gerettet haben und an denen bis heute intensiv weitergeforscht wird. Am Donnerstag jährt sich der Todestag des "Vater Chemotherapie" zum 100. Mal und Wissenschafter aus der ganzen Welt würdigen die Verdienste des deutschen Nobelpreisträgers. Der Arzt und Forscher erlag am 20. August 1915 in Bad Homburg einem Herzinfarkt.

"Seine Vielfalt, Weitsicht und Nachhaltigkeit haben ihn zu einem der Großen der Medizin gemacht", sagte Harald zur Hausen (Heidelberg), der 100 Jahre nach Ehrlich den Nobelpreis für Medizin bekam und heute einer nach ihm benannten Stiftung vorsteht. Viele der Theorien des 1854 in Schlesien geborenen Ehrlich haben sich bewahrheitet.

Fritz Sörgel, Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg, organisiert internationale Kongresse über Ehrlich – und hat sogar ein Theaterstück und ein Musical über den Arzt und Forscher geschrieben. Ehrlich rauchte demnach wie ein Schlot, notierte seine Gedanken, wo immer sie ihm einfielen – auch auf Kragen oder Manschetten seiner Mitarbeiter.

Nahe am heutigen Wissen

"Ehrlich war auf vielen Gebieten bereits relativ nah an dem Wissen, das wir heute haben", sagt Ehrlichs Nachfolger als Direktor des Georg-Speyer-Hauses, Florian Greten. Eine dieser Theorien ist die von den "Zauberkugeln": Ehrlich glaubte, dass es für jede Erkrankung ein spezielles Gegenmittel gibt, das im Körper ausschließlich diese Erkrankung angreift.

Eine andere wurde als Seitenkettentheorie bekannt, dafür bekam er 1908 den Nobelpreis. Mittels seitlicher Rezeptoren erkennen Zellen Krankheitserreger und Giftstoffe, binden sie nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an sich und machen sie so unschädlich – eine Beschreibung des Immunsystems.

"Die zentrale Erkenntnis von Paul Ehrlich war die Wechselwirkung zwischen körperfremden Stoffen und dem Körper. Als Folge der von ihm erkannten Prinzipien wurden Impfstoffe und Antibiotika entwickelt. Seine damals erzielten Erkenntnisse sind heute im Zeitalter zunehmender Antibiotikaresistenz aktueller denn je", sagt Sörgel.

Erstes Chemotherapeutikum

Ehrlich fand eine Methode, Zellen einzufärben und legte damit die Grundlage zur Diagnose von Blutkrankheiten. Er arbeitete mit Emil Behring an einem Heilserum und begründete zugleich eine Methode zur Standardisierung von Impfstoffen. Er entwickelte mit Salvarsan das erste spezifisch wirkende Chemotherapeutikum. Damit befreite er die Welt von der "Lustseuche" Syphilis. Im Nationalsozialismus wurden seine Leistungen jedoch verschwiegen, da Ehrlich Jude war. In den USA wurde 1940 der Film "Dr. Ehrlich's Magic Bullet" über ihn gedreht.

Patienten und Studenten lagen ihm allerdings nicht so. "Paul Ehrlich stand lieber im Labor als am Krankenbett", erfahren Besucher in der Ausstellung "Arsen und Spitzenforschung", die nach der ersten Station in Berlin ab Ende Oktober in Frankfurt zu sehen ist. (APA/red, 19.8.2015)

  • Paul Ehrlich in seinem Arbeitszimmer in Frankfurt, aufgenommen im Jahr 1900. Der "Vater der Immunologie und Chemotherapie" starb am 20. August 1915 an einem Herzinfarkt.
    foto: waldemar titzenthaler

    Paul Ehrlich in seinem Arbeitszimmer in Frankfurt, aufgenommen im Jahr 1900. Der "Vater der Immunologie und Chemotherapie" starb am 20. August 1915 an einem Herzinfarkt.

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