Gegen Panik beim Abheben: Der Spacecoach

22. August 2015, 14:00
32 Postings

Spacecoach Wolfgang Kaufmann trainiert künftige Weltraumtouristen darauf, in Ausnahmezuständen relaxt zu bleiben

Er gibt künftigen Spacetouristen Tipps für die Bewältigung von Panik und Angst, die beim Abheben ins All leicht aufkommen: Wolfgang Kaufmann ist Österreichs erster offizieller "Spacecoach", zertifiziert durch die European Coaching Association (ECA).
Kaufmann vermittelt das nötige Wissen für Weltraumtrips und unterstützt beim Stärken mentaler Fähigkeiten. Weltraumreisen sind vorerst allerdings nur Sache einiger weniger äußerst Wohlhabender. Bis der Urlaub à la Major Tom abgehoben von Planet Blue mehrheitsfähig wird, wird Kaufmann seine Dienste Unternehmen und der Stärkung der Belastbarkeit dort offerieren. Die Sache mit den Spacetrips kann ja noch dauern.

Startprobleme

Anbieter arbeiten allerdings fleißig daran, den Weltalltourismus als kommerzielles Business zu etablieren. So bastelt die US-Firma "Virgin Galactic" des britischen Unternehmers Richard Branson an geeigneten Fluggeräten und errichtete den Weltraumbahnhof "Spaceport America" in New Mexico. In Europa wird ebenfalls geplant. In Schweden sollen vom Weltraumbahnhof in Esrange, etwa 200 Kilometer nördlich des Polarkreises, künftig Spaceships starten. Großbritannien hat angekündigt, bis 2018 einen Raumfahrtbahnhof für kommerzielle Flüge ins All bauen zu wollen. Die Schweiz bastelt an einem Weltraumflugzeug.

Verzögerungen bei der Fertigstellung und Abstürze der Flugmaschinen – zuletzt etwa der des "SpaceShipTwo" von Virgin Galatic vor zwei Jahren – lassen Experten aber daran zweifeln, ob es so bald möglich sein wird, auch Nicht-Astronauten in großer Zahl ins All zu schicken.

Kaufmann zeigt sich optimistisch: "Der kommerzielle Weltraumtourismus beginnt voraussichtlich 2016", schreibt er auf seiner Homepage. Im Raketenflugzeug ins All zu fliegen sei aber eine enorme Belastung für Körper und Geist. Fixer Bestandteil der Vorbereitung daher: der "Primary-Check". Hier werden die mentalen Fähigkeiten überprüft und das Flugteam zusammengesetzt. Es folgen Unterwassertrainings, Trainings im Flugsimulator und Zero-G-Flight-Trainings (als Vorbereitung auf die Schwerelosigkeit). 3800 Euro Minimum müssen Teilnehmer dafür berappen.

Stress auf der Erde

Auch Menschen, denen es auf der Erde den Boden unter den Füßen wegzieht, will der ausgebildete Stress- und Mentalcoach mit Rezepten aus dem All helfen. "Astronauten unterliegen beim Trip ins Weltall einem Stress auf Höchstlevel: mit einem Schub und der Kraft von 18 Millionen PS werden sie mit Raketen ins All geschossen. Wir können viel von ihnen lernen", sagt Kaufmann.

Durch technische Einrichtungen, die auch für Astronauten angewendet werden – zum Beispiel ein Flug im Simulator – will er seine Coachees "an ihre Grenzen heranführen." Aber auch herkömmliche Konzentrations- und Stresstechniken unterrichtet Kaufmann. Sein Angebot richtet sich sowohl an Unternehmen als auch an Privatpersonen.

Der gebürtige Grazer startete seine berufliche Karriere als ausgebildeter Einzelhandelskaufmann, war mehrere Jahre im Banken-, Versicherungswesen und dem Direktvertrieb tätig. Sein Entschluss, sich zum professionellen Coach ausbilden zu lassen, sagt Kaufmann, sei für ihn "eine logische Folge" gewesen – Er schätze die Interaktion mit anderen, interessiere sich für die Eigenheiten der menschlichen Psyche.

Privat Taucher

In seiner Freizeit ist Wolfgang Kaufmann, der zurzeit mit seiner Partnerin und zwei Kindern in Wien lebt, übrigens begeisterter Taucher oder segelt als Paragleiter durch die Luft. (lib)

Infos:

Der Lehrgang zum Spacecoach dauert insgesamt zehn Tage. Die Voraussetzung zur Teilnahme: Eine abgeschlossene Ausbildung im Bereich Psychologie oder Psychotherapie. Die Kosten liegen bei 8900 Euro. Bestandteile des Lehrganges sind unter anderen die Vermittlung von Kurzzeit-Coachingmethoden, das Schärfen der eigenen Wahrnehmung, Teambuilding und Lektionen über Stressfaktoren wie Panikattacken oder Angst. Der nächste Lehrgang startet am 23. Oktober in Köln.

Mehr zum Thema Weltraumtourismus:

Abschlussarbeit über Kurzurlaub im All

Mehr zum Thema Berufsbilder:

Wedding-Planner: Das Geschäft mit der Liebe

Warum nicht Hackerin von Beruf?

Zukunftsjob Internettherapeut

  • Wolfgang Kaufmann hat als erstes den Lehrgang an der "Space Coach Academy" absolviert. Mit seiner Vorbereitung kehren künftige Raumflugteilnehmer (das ist der Begriff den die Nasa verwedet) im Optimalfall ohne psychischen Knacks zurück auf die Erde.
    foto: smscoach

    Wolfgang Kaufmann hat als erstes den Lehrgang an der "Space Coach Academy" absolviert. Mit seiner Vorbereitung kehren künftige Raumflugteilnehmer (das ist der Begriff den die Nasa verwedet) im Optimalfall ohne psychischen Knacks zurück auf die Erde.

  • Seit jeher beflügelt der Gedanke an das All die Fantasie der Menschen. Bisher haben jedoch nur ganz wenige Nicht-Astronauten den Erdball aus einer Raumschiffkapsel aus gesehen.
    foto: nasa goddard space flight center

    Seit jeher beflügelt der Gedanke an das All die Fantasie der Menschen. Bisher haben jedoch nur ganz wenige Nicht-Astronauten den Erdball aus einer Raumschiffkapsel aus gesehen.

  • In speziellen Simulatoren werden Flüge ins All geübt.
    foto: smscoach

    In speziellen Simulatoren werden Flüge ins All geübt.

  • Erster Tourist im Weltraum war Dennis Tito 2001. Er soll für den Flug zur ISS rund 20 Millionen Dollar (15 Millionen Euro) bezahlt haben. Nach Tito brachen sechs weitere Touristen ins All auf.
    foto: reuters/mikhail grachyev

    Erster Tourist im Weltraum war Dennis Tito 2001. Er soll für den Flug zur ISS rund 20 Millionen Dollar (15 Millionen Euro) bezahlt haben. Nach Tito brachen sechs weitere Touristen ins All auf.

Share if you care.