Lobeshymnen: Vettel in Schumachers Fußstapfen

19. August 2015, 11:48
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Deutscher steht nach zwei unerwarteten Saisonsiegen bei der Scuderia hoch im Kurs. Vergleiche mit Michael Schumacher werden längst nicht mehr gescheut

Spa – Gerade mal zehn Rennen hat Sebastian Vettel bislang für Ferrari absolviert, die Erwartungen an den Neuzugang sind vor dem Start aus der Sommerpause dennoch bereits maximal. Vom Entwicklungshelfer bei Ferrari wurde Vettel im Eiltempo zum Rennsieger, und lieber heute als morgen soll er der nächste Weltmeister der Scuderia sein – in Italien schrecken sie selbst vor dem größtmöglichen Vergleich längst nicht mehr zurück.

Vettels 150. Grand Prix

"Ich sehe in Sebastian die gleichen Führungsqualitäten, die ich auch bei Michael Schumacher ausgemacht habe", sagt Technikchef James Allison vor dem Großen Preis von Belgien: "Diese Bewunderung, die das Team immer für Michael empfunden hat, die lebt mit Sebastian gerade wieder auf." Der Deutsche startet am Sonntag (14.00 Uhr) zu seinem bereits 150. Grand Prix in der Königsklasse. Die Wertschätzung, die er in Maranello erfährt, ist dennoch ungewohnt für den viermaligen Weltmeister.

Schumacher hatte den einst siechenden Traditionsrennstall ab 1996 zurück an die Spitze geführt und die Geschichte Ferraris mit fünf WM-Titeln nacheinander geprägt wie kein Zweiter. Die Fußstapfen, so die überwiegende Meinung bei den Roten, sind dennoch nicht zu groß für Vettel.

Allison, der fünf Jahre mit Schumacher zusammenarbeitete, sieht vielfältige Parallelen. "Beide haben ein sehr großes Selbstbewusstsein, und keiner von beiden gibt auf, wenn es mal schwieriger wird", sagt der 47-Jährige im Gespräch mit dem Magazin F1 Racing und will eine weitere Qualität Schumachers in Vettel wiedererkennen: "Er ist sehr natürlich im Umgang mit den Ingenieuren, und er will die Leute unbedingt wissen lassen, wie wichtig ihr Beitrag ist."

Die aktuelle Lobhudelei kommt nicht allein vom Technikchef. Teamchef Maurizio Arrivabene bescheinigt Vettel "den gleichen teutonischen Perfektionismus", der Schumacher zum Rekordweltmeister machte. Und Ferrari-Präsident Sergio Marchionne bezeichnet seinen Top-Piloten bereits als "Ferrari-Mann durch und durch. Wir können in jedem Rennen auf ihn zählen, ich mag die ernsthafte Art, mit der er sich allen Problemen widmet. Genau das haben wir gebraucht."

Saisonziel erreicht

Bei der Rückkehr des Rennstalls zu erhoffter Stärke spielt Vettels Akribie eine entscheidende Rolle. Mit zwei Saisonsiegen hat der Deutsche zudem schon jetzt die Zielsetzung der Scuderia für das gesamte Jahr erfüllt.

Und auch für Vettel persönlich läuft 2015 noch besser als erwartet. Mit 160 WM-Punkten hat er fast doppelt so viele Zähler auf dem Konto, wie zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres – und ist erstaunlich nah dran an Weltmeister Lewis Hamilton (202) und Nico Rosberg (181) in den überlegenen Silberpfeilen.

Ein Sieg am Sonntag auf dem Traditionskurs in den Ardennen ist zwar unwahrscheinlich, da Mercedes seine Geschwindigkeitsvorteile auf dem schnellen Kurs bestens ausspielen dürfte. Unmöglich scheint mit Blick auf die letzten Ergebnisse und Vettels jüngsten Sieg in Ungarn allerdings nichts – und mit einem Erfolg könnte er tatsächlich noch einmal zu einem Faktor im Kampf um die WM werden.

Das Timing wäre kein schlechtes, denn nicht nur Vettel feiert in Spa ein Jubiläum: Für Ferrari ist es der 900. Grand Prix in der Königsklasse. (sid, 19.8.2015)

  • Die Chemie stimmt.
    foto: epa/janos marjai

    Die Chemie stimmt.

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