Deutscher Buchpreis: Vier Österreicher auf der Longlist

19. August 2015, 14:47
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Valerie Fritsch, Gertraud Klemm, Clemens J. Setz und Vladimir Vertlib haben Chancen auf den renommierten Preis

Wien – Die "Longlist" zum Deutschen Buchpreis (dotiert mit 25.000 Euro) sei eine Landkarte, die "die Vielfältigkeit und Vielstimmigkeit der deutschsprachigen Literatur" abbilde, meinte Jurysprecherin Claudia Kramatschek am Mittwoch bei der Bekanntgabe der 20 für die Langliste nominierten Romane in Frankfurt am Main. Am 16. September wird dann eine sechs Titel umfassende "Shortlist" bekanntgegeben, aus der im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse am 12. Oktober der Sieger gekürt wird.

Klingt nach Buchmarketing auf relativ hohem Niveau, und in der Tat hat sich die vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergebene Auszeichnung in ihrem elfjährigen Bestehen zu einem wesentlichen Aufmerksamkeitsgenerator entwickelt. Teilweise, so Kritiker, unterstütze der Preis allerdings nur den Trend zur immer stärkeren medialen Fokussierung auf immer weniger Titel.

Die nun von der siebenköpfigen Jury (u. a. Markus Hinterhäuser, Intendant der Wiener Festwochen) aus 199 eingereichten Romanen destillierte "Longlist" gibt sich unaufgeregt – und wenig überraschend. Neben u. a. Jenny Erpenbeck, Ulrich Peltzer und Feridun Zaimoglu finden sich auch vier österreichische Autoren und der in Wien lebende Ilija Trojanow mit Macht und Widerstand (S. Fischer) in der Auswahl.

So ist Valerie Fritsch mit Winters Garten (Suhrkamp) ebenso auf der "Longlist" vertreten wie ihr Verlagskollege Clemens J. Setz, dessen 1000-Seiten-Roman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre im September erscheint. Dazu kommen die neuen Prosabände von Vladimir Vertlib (Luca Binar und die russische Seele) und Gertraud Klemm (Aberland), die in österreichischen Verlagen – Deuticke beziehungsweise Droschl – erschienen sind. Wobei Droschl mit Monique Schwitters Eins im Andern noch mit einem weiteren Titel vertreten ist.

Davon, ob in den "Longlist"-Büchern wirklich die Welt zu Hause ist, wie die Jury verspricht, überzeugen sich unter dem Titel "Die Buchpreisblogger" auch sieben Literaturblogs, die auf der Facebookseite des Deutschen Buchpreises zusammengeführt werden. (steg, 19.8.2015)

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Die Longlist

  • Alina Bronsky: "Baba Dunjas letzte Liebe" (Kiepenheuer & Witsch)
  • Ralph Dutli: "Die Liebenden von Mantua" (Wallstein)
  • Jenny Erpenbeck: "Gehen, ging, gegangen" (Knaus)
  • Valerie Fritsch: "Winters Garten" (Suhrkamp)
  • Heinz Helle: "Eigentlich müssten wir tanzen" (Suhrkamp)
  • Gertraud Klemm: "Aberland" (Droschl)
  • Steffen Kopetzky: "Risiko" (Klett-Cotta)
  • Rolf Lappert: "Über den Winter" (Carl Hanser)
  • Inger-Maria Mahlke: "Wie Ihr wollt" (Berlin Verlag)
  • Ulrich Peltzer: "Das bessere Leben" (S. Fischer)
  • Peter Richter: "89/90" (Luchterhand)
  • Monique Schwitter: "Eins im Andern" (Droschl)
  • Clemens J. Setz: "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre" (Suhrkamp)
  • Anke Stelling: "Bodentiefe Fenster" (Verbrecher Verlag)
  • Ilija Trojanow: "Macht und Widerstand" (S. Fischer)
  • Vladimir Vertlib: "Lucia Binar und die russische Seele" (Paul Zsolnay)
  • Kai Weyand: "Applaus für Bronikowski" (Wallstein)
  • Frank Witzel: "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" (Matthes & Seitz)
  • Christine Wunnicke: "Der Fuchs und Dr. Shimamura" (Berenberg)
  • Feridun Zaimoglu: "Siebentürmeviertel" (Kiepenheuer & Witsch)
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