Insulin-Nasenspray gegen Geruchsverlust

19. August 2015, 11:05
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Wiener Wissenschafter behandelten Patienten und deckten Zusammenhänge zwischen Stoffwechselhormon und Gehirn auf

Die Liebe geht angeblich durch den Magen, verlorenes Geruchsvermögen lässt sich vielleicht über das Stoffwechselhormon Insulin positiv beeinflussen. Wissenschafter der MedUni Wien (AKH) und Experten der RWTH Aachen in Deutschland haben bei Patienten mit Geruchsverlust mit einem Insulin-Spray eine deutliche Verbesserung des Riechvermögens erzielt.

Die Wissenschafter unter Veronika Schöpf von der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin gingen ihrer Pilotstudie, die jetzt in der Fachzeitschrift "Rhinologie" erschienen ist, von Beobachtungen aus, die man in der jüngeren Vergangenheit zum Zusammenhang zwischen Gehirnfunktionen, Geruchsvermögen und das für den Glukosehaushalt entscheidenden Hormons Insulin gemacht hat.

Die Anwendung von intranasalem Insulin bei gesunden Probanden sei unter anderem mit einem verbesserten Erinnerungsvermögen und einer verringerten Nahrungsaufnahme in Zusammenhang gebracht worden. Es hätte auch eine gewisse Korrelation zwischen Krankheiten und einer Insulinresistenz im Zentralnervensystem gegeben, zum Beispiel mit Typ-2-Diabetes, Morbus Alzheimer, Adipositas und verringertem Geruchsempfindungen.

Geruchsempfinden getestet

In der Studie versuchte man Geruchsverlust zu beeinflussen. Fünf Patienten mit einem solchen Symptom nach Infektionen bekamen einen Insulin-Nasenspray (40 Internationale Einheiten), fünf vergleichbare Patienten mit solchen Beschwerden erhielten ein Placebo. Das Geruchsempfinden wurde vorher und nachher getestet.

Die Wissenschafter über das Ergebnis: "Bei Anwendung des Insulins zeigten die Patienten eine sofortige Verbesserung bezüglich des Riechvermögens und bei der Beurteilung der Intensität von Gerüchen." Zusätzlich sei eine Verbesserung des Erkennungsvermögens für Gerüche bei Probanden mit höherem Körpergewicht beobachtet worden.

Die Ergebnisse – so die Wissenschafter – beleuchten den offenbaren Zusammenhang zwischen dem Insulinspiegel im Gehirn und einem Verlust an Riechvermögen. Möglicherweise könnte man das für die Entwicklung schneller wirksamer Therapien bei einem akuten Verlust des Riechvermögens nutzen.

Wissenschafter der Wiener HNO-Universitätsklinik im AKH beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit der Erforschung des Geruchssinns. Dort wurde beispielsweise schon 1987 gemeinsam mit der TU Wien eines der ersten Geräte zur objektiven Messung der Funktion des Geruchssinns entwickelt, ein sogenanntes Olfaktometer. (APA, 19.8.2015)

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