Moskau: Spekulationen um mächtigen Bahnchef Jakunin

18. August 2015, 18:14
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Der Putin-Vertraute und Präsident der Russischen Bahn Wladimir Jakunin könnte aufs politische Abstellgleis geraten

Moskau/Wien – Ein Jobwechsel mit vielen Fragezeichen beschäftigt derzeit die Öffentlichkeit in Russland: Wladimir Jakunin, mächtiger Präsident der Russischen Eisenbahn, soll Senator für die Oblast Kaliningrad werden – und damit Mitglied im Föderationsrat, der zweiten Kammer des russischen Parlaments. Laut Nachrichtenagentur Tass erklärte Jakunin am Montag, für das Amt kandidieren zu wollen. Ein Senatorensitz wäre ihm so gut wie sicher: Im September wird in der zwischen Polen und Litauen eingekeilten russischen Exklave ein neuer Gouverneur gewählt. Dieser ernennt dann den Senator für seine Region – für Jakunin mit seiner Nähe zum Kreml ein leichtes Spiel.

Rätselraten herrscht allerdings über Jakunins Motive. Beobachter werten seinen Gang in die Politik eher als Degradierung. Als Chef der Bahn mit fast einer Million Beschäftigten ist der Einfluss des engen Vertrauten von Präsident Wladimir Putin wohl um einiges größer als auf einem vergleichsweise unbedeutenden Mandat im Föderationsrat. Ob und warum Jakunin die Gunst des Kreml verloren haben könnte, in dessen innerstem Machtzirkel er sich jahrelang bewegte, ist derzeit Gegenstand von Spekulationen.

Fall oder Aufstieg

"Der Befehl kam aus Moskau", ist die liberale Zeitung "Wedomosti" überzeugt. Offensichtlich handle es sich dabei um eine "Strafe" für Jakunin. Dem 67-Jährigen wird häufig Misswirtschaft und Korruption vorgeworfen. Einige Medien sehen die Entscheidung auch als Hinweis auf Machtkämpfe innerhalb des Kreml.

Doch auch die Vorbereitung Jakunins auf höhere politische Weihen scheint nicht ganz ausgeschlossen zu sein. Bereits nächstes Jahr finden in Russland Parlamentswahlen statt, die nächste Präsidentschaftswahl steht 2018 auf dem Programm.

Jakunin präsentierte sich stets als treuer Gefolgsmann Putins. Die USA setzten ihn vergangenes Jahr im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise auf ihre Sanktionsliste. Jakunins Reaktion: "Ich fühle mich geschmeichelt." (Gerald Schubert, 18.8.2015)

  • Wladimir Jakunin blickt einer politischen Zukunft entgegen.
    foto: reuters / maxim shemetov

    Wladimir Jakunin blickt einer politischen Zukunft entgegen.

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