Terror in Thailand: Trügerische Ruhe

Kommentar18. August 2015, 17:52
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Schlimmeres droht, bleibt eine Rückkehr zur Demokratie versperrt

Der Druckkochtopf ist leckgeschlagen. Nach gewalttätigen Monaten war Thailands Putschregierung 2014 angetreten, um die Ruhe im Land wiederherzustellen. Das tat sie mit harten Mitteln und mit PR-Kampagnen: Mitglieder der früheren Regierung wurden vor Gericht gestellt, Druck auf Medien wurde verstärkt, öffentliche Plätze wurden mit Kameras überwacht. Das Volk sollte zugleich mit Kampagnen zur "Steigerung des Glücksempfindens" von der tiefen politischen Spaltung abgelenkt werden, in der auch viele Mitglieder der neuen Regierung Partei sind.

Zwar war am Dienstag nicht geklärt, wer für die Bombenserie in Bangkok verantwortlich war. Doch die Behörden waren bemüht, den Schein der Kontrolle zu wahren. Angebliche Hinweise auf "Feinde der Regierung", wie es Premier Prayuth Chan-ocha ausdrückte, waren schnell gefunden.

Es ist zu befürchten, dass die Generäle rund um den Premier den Terror als Signal verstehen werden, noch mehr als bisher die vermeintliche Stabilität über das Ausverhandeln der Probleme zu stellen. Den Gegensatz zwischen städtischer Oberschicht und ärmeren Landbewohnern wird das genauso wenig lösen wie die ethnisch-religiösen Konflikte im Norden und Süden. Ihr Fortbestehen hat zuletzt Populisten und Politikschwindlern vom Schlage des Expremiers Thaksin Shinawatra geholfen. Es ist nicht anzunehmen, dass das bei einer Rückkehr zur Demokratie jetzt anders wäre. Doch bleibt dieser Ausweg versperrt, droht Schlimmeres: das Abgleiten in politische Gewalt. (Manuel Escher, 18.8.2015)

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