Uber löst in Indien Kleinwagen-Boom aus

20. August 2015, 05:30
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Immer mehr Inder suchen über Fahrtendienste den Weg in die Selbstständigkeit. Kleinwagen-Hersteller erfreut das

Der 25-jährige Sultan Inamdar steht für viele seiner Landsleute, die in ihrem Streben nach wirtschaftlicher Selbstständigkeit in Indien einen regelrechten Absatzboom von Kleinwagen ausgelöst haben. Vor knapp einem halben Jahr hat er seinen Job in einer Autovermietung an den Nagel gehängt und sich einen Neuwagen zugelegt, um daraufhin auf eigene Rechnung zu arbeiten – und zwar als Chauffeur für Fahrtendienste wie Uber oder dem Mitbewerber Ola, Platzhirsch am indischen Markt.

„Ich bin gerne mein eigener Chef“, erklärt Inamdar gegenüber Bloomberg. „Viele meiner Freunde fahren auch bereits sowohl für Uber als auch für Ola.“ Er hat zu einem japanischen Kleinwagen, dem Toyota Etios, gegriffen, da für seinen wirtschaftlichen Erfolg ein günstiger Anschaffungspreis sowie geringe Betriebskosten entscheidend sind, denn: „Der Stress besteht darin, jeden Tag genug Fahrten zu ergattern“, gibt Inamdar zu bedenken.

Eine Milliarde für Investitionen in Indien

Die kräftigen Expansionspläne von Uber sollten ihm dabei in die Hände spielen. Rund eine Milliarde US-Dollar nimmt das Unternehmen in die Hand, um binnen neun Monaten das Fahrtenaufkommen in Indien auf eine Million pro Tag zu erhöhen. Dazu soll nicht nur die Abdeckung von derzeit 18 Städten erhöht werden, sondern auch zusätzliche Services und Bezahlungsmethoden eingeführt werden.

„Indien hat eine hohe Priorität für Uber“, unterstreicht Uber India-Chef Amit Jain. Aus gutem Grund, kann doch der öffentliche Verkehr in vielen Städten nicht mit dem Bevölkerungswachstum schritthalten. Die Folge: Laut Jain wächst der Fahrtendienst in seinem größten Markt außerhalb der USA derzeit monatlich um 40 Prozent.

Enorme Wachstumszahlen

Noch hat aber der Mitbewerber Ola in Indien die Nase vorne. Damit dies auch so bleibt arbeitet das Unternehmen, an dem auch der japanische Telekom- und Medienkonzern Softbank beteiligt ist, gemeinsam mit Autoerzeugern an günstigeren und leichter zugänglichen Finanzierungsmöglichkeiten für potentielle Autokäufer. Denn über mangelnde Nachfrage können sich die Fahrzeughersteller im Bereich Kleinwagen dank Uber und Ola nicht beklagen.

Während die Absatzzahlen am gesamten Pkw-Markt Indiens bis Juli um 7,5 Prozent zugelegt hat, konnten die bei Uber- und Ola-Fahrern beliebtesten Marken ein Vielfaches an Zuwachs verbuchen: Etwa 28 Prozent beim Toyota Etios oder sogar 152 Prozent beim Maruti Suzuki DZire Tour. Auch der 24-jährige Sushil Rajak, der seinen Job in einer Event-Agentur vor wenigen Monaten zugunsten von Uber gekündigt hat, will wegen der noch geringeren Betriebskosten von einem anderen Kleinwagen auf dieses Modell umsteigen. Schließlich lautet seine Motivation: „Wenn man hart arbeitet, gehört als Belohnung alles dir.“ (Alexander Hahn, 19.8.2015)

  • Der kompakte Toyota Etios zählt in Indien zu den beliebtesten Autos für Fahrer von Uber & Co.
    foto: tatan syuflana

    Der kompakte Toyota Etios zählt in Indien zu den beliebtesten Autos für Fahrer von Uber & Co.

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