Das erfolgreiche Schmuddelkind

19. August 2015, 07:00
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Seinem Ruf entsprechend heißt es, aufs FM4 Frequency gingen die Leute trotz, nicht wegen der Musik

Die Homepage des Festivals verkündet "15 Years of Festival Madness". Doch bei dem ab Donnerstag also zum 15. Mal ausgetragenen FM4-Frequency-Festival bezieht sich die "Madness" weniger auf das Programm, sondern unfreiwillig auf den Habitus seines sehr jungen Publikums.

Kaum sind die Wunden der Maturareise verheilt, setzt es Geist und Körper einer weiteren toxischen Belastungsprobe aus. Das fördert zwischen den Bühnen eine Folklore zutage, die von den dort angesiedelten Zerstreuungsanbietern nur zu gerne unterstützt wird. Tequila zum Frühstück? Kein Pro blem. Vielleicht noch ein kleines Tattoo als Andenken? Die von der ÖVP gerne eingeforderte Eigenverantwortung in full force auf tiefschwarzer Heimatscholle.

Das Frequency hat 2001 als kleiner musikalischer Almauftrieb in der Wiener Arena begonnen. Im Jahr darauf bespielte es bereits zwei Tage lang den Salzburgring. Dort wetterte einst Trent Reznor von der Band Nine Inch Nails gegen das Publikum, es sei das schlimmste der ganzen Tour, sagte der US-Musiker. Seit 2009 beheimatet St. Pölten das Festival.

Sein Veranstalter ist Harry Jenner als Geschäftsführer von Musicnet Entertainment, das zusammen mit Nova Music Entertainment unter der Dachmarke Skalar Entertainment den größten Konzertveranstalter Österreichs bildet. Pro Jahr veranstalten die beiden Gesellschaften mit rund 50 Mitarbeitern an die 300 Shows in Österreich.

Das FM4 Frequency ist so etwas wie ihr erfolgreiches Schmuddelkind. Seinem Ruf entsprechend heißt es, aufs FM4 Frequency gingen die Leute trotz, nicht wegen der Musik. Der eigentliche Grund sei der Entzug vor dem Zugriff der Erziehungsberechtigten. Das ist natürlich übertrieben, wer aber einmal irrtümlich wegen der Musik angereist kam, wird den Gedanken dennoch nachvollziehen können.

2005 stürzte eine Brücke auf dem Festivalgelände ein, 32 Verletzte gab es damals. Ansonsten verläuft das Festival trotz all der Selbstbeschädigungsrituale seiner Gäste weitgehend friedlich und harmlos, und wenn der Durst wieder einmal stärker als der Kreislauf war, hilft das Rote Kreuz.

Zu den Medienpartnern zählt neben der Kronen Zeitung Radio FM4. Der Sender begleitet das Festival alle Jahre als ergebener Hofberichterstatter wochenlang vorab und natürlich voller Begeisterung vor Ort. Irgendwer muss sich ja das Programm anschauen. (Karl Fluch, 19.8.2015)

  • Hollodaro! Am Donnerstag startet das 15. FM4 Frequency.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    Hollodaro! Am Donnerstag startet das 15. FM4 Frequency.

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