43 verschleppte Studenten: Experten rügen Mexikos Behörden

18. August 2015, 16:10
6 Postings

Internationale Kommission bemängelt Vernichten und Unterschlagen von Beweisen durch die Staatsanwaltschaft

Elf Monate nach dem Verschwinden mexikanischer Lehramtsstudenten treten die Ermittlungen auf der Stelle. Eine aus internationalen Experten bestehende Begleitmission bemängelte bei der Präsentation eines Zwischenberichts am Montag Ortszeit das Verschwinden, Vernichten und Unterschlagen von Beweisen durch die Staatsanwaltschaft. So habe sie monatelang sogar den Angehörigen verschwiegen, dass sie kurz nach der Tat in einem geparkten Bus Kleidungsstücke der Vermissten gefunden haben.

Auch bei der Autopsie der Leiche eines Studenten sei geschlampt und Videoaufnahmen einer Sicherheitskamera während der Tatnacht gelöscht worden. Zudem habe die Regierung die beantragten Interviews mit 26 Militärangehörigen, die in der besagten Nacht am Tatort waren, nicht genehmigt. Angeblich gefährde dies die Ermittlungen, erklärte die Gruppe, der so namhafte Ermittler wie die frühere guatemaltekische Staatsanwältin Claudia Paz und der chilenische Anwalt Francisco Cox angehören.

Polizei und Politik involviert

Die Kommission wurde durch ein Abkommen zwischen der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte und dem mexikanischen Staat eingerichtet, nachdem im September des vergangenen Jahres eine Gruppe Lehramtsstudenten im südmexikanischen Iguala von Polizisten und Killern eines Drogenkartells beschossen und 43 von ihnen entführt wurden. Der Fall hatte wegen seiner Brutalität und der Verwicklung von Behörden, Drogenkartellen und Politikern international für Aufsehen gesorgt. Der Staatsanwaltschaft zufolge handelte es sich um einen Racheakt des Bürgermeisters von Iguala, der mit einem Drogenkartell liiert war und den offenbar die Kritik der Studenten störte.

Untersuchungen in Innsbruck

Festgenommenen Killern zufolge wurden die Studenten auf einer Müllkippe exekutiert, ihre Leichen verbrannt und die Asche anschließend in Müllsäcke geschaufelt und in den Fluss geworfen. Einige Säcke konnten geborgen und die Überreste eines Studenten identifiziert werden. Derzeit untersucht das Forensische Institut der Universität Innsbruck die Fundstücke auf DNA-Spuren.

Bei der Suche nach den Studenten wurden mehrere Massengräber rund um Iguala gefunden. Die Region gilt als Hochburg des Opiumanbaus und ist eines der gewalttätigsten Gebiete Mexikos. Drogenkartelle kontrollieren große Teile der Politiker, nicht willfährige Politiker und Bürger werden kurzerhand umgebracht. Ein Führer der Bürgermilizen, die die Suche nach den Vermissten leiteten, wurde unlängst ermordet.

Die Angehörigen der 43 Opfer zeigten sich nach den neuen Erkenntnissen von den mexikanischen Behörden enttäuscht, sagte der Leiter des Menschenrechtszentrums Tlachinollan, Abel Barrera. Auf Anfrage des Standard meinte er, es bestünde kein Interesse daran, die Verquickung von Mafia und Regierung wirklich aufzuklären: "Ich hoffe, dass dieser Bericht den Druck auf die Staatsanwaltschaft erhöht." Die Expertenkommission, deren Mission Anfang September ausläuft, beantragte eine sechsmonatige Verlängerung ihres Mandats. (Sandra Weiss aus Puebla, 18.8.2015)

  • Protest gegen die schleppenden Ermittlungen in Guadalajara.
    foto: epa/ulises ruiz basurto

    Protest gegen die schleppenden Ermittlungen in Guadalajara.

Share if you care.