Gejagt und illegal gehandelt: Orang-Utans sind zunehmend bedroht

18. August 2015, 16:12
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Die Zerstörung des Regenwaldes verringert den Lebensraum der Menschenaffen – es kommt zu Konflikten auf Palmölplantagen

Seit Jahrzehnten wird darüber diskutiert, Menschenaffen Grundrechte für Personen zu gewähren. Denn in vielen Ursprungsländern werden sie von Umweltzerstörung bedroht, vom Menschen gejagt und illegal gehandelt. Weltweit werden jährlich zwischen 2.000 und 3.000 Orang-Utans getötet. 60 Prozent des illegalen Menschenaffenhandels erfolgen über diese bedrohten Tiere. Anlässlich des Internationalen Tages des Orang-Utans am Mittwoch wies die Tierschutzorganisation Vier Pfoten erneut auf diese dramatischen Entwicklungen hin.

Zerstörung des Regenwaldes

In den vergangenen vier Jahrzehnten ist auf Borneo doppelt so viel Regenwald zerstört worden wie anderswo auf der Welt. Orang-Utans werden dadurch zu Opfern der Palmöl-, Tropenholz- und Kohleindustrie, schreibt Vier Pfoten in einer Aussendung. Orang-Utans werden zuweilen auch für Kopfgeld in Ölpalmplantagen gejagt, weil man sie als Ernteräuber betrachtet. Tierhändler verkaufen die Waisen illegal als Haustiere, wo sie zumeist nicht artgerecht gehalten werden.

Waisenhaus auf Borneo

Seit 2007 gibt die Tierschutzorganisation daher den verfolgten Orang-Utans in Zusammenarbeit mit der Borneo Orangutan Survival Foundation (BOSF) eine zweite Chance: In der Rettungsstation Samboja Lestari in Ost-Kalimantan/Borneo werden konfiszierte Orang-Utan-Waisen gesundgepflegt und auf ein Leben in Freiheit vorbereitet.

"Die meisten unserer Neuankömmlinge sind zwischen zwei und fünf Jahre alt. Diese Waisenkinder sind zu Beginn oft schwer traumatisiert", sagt Signe Preuschoft, Leiterin des Orang-Utan-Projektes. Mit einem Rehabilitierungsprogramm werden sie darauf vorbereitet, mit dem Erreichen der Pubertät wieder in die Freiheit entlassen werden zu können.

Orang-Utans brauchen jahrelange Bildung

Orang-Utans müssen, wie Menschen auch, alle Überlebenstechniken erlernen. Bis zu 14 Jahre gehen heranwachsende Orang-Utans bei ihrer Mutter in die Lehre. In der "Waldschule" ersetzen Tierpfleger die Aufgabe der Mutter und bringen den Waisen bei, sich in Bäumen fortzubewegen, Nahrung zu finden und zuzubereiten. Sie lernen, sich im Wald zu orientieren, Schlafnester zu bauen, Feinde zu vermeiden und auch wie man mit anderen Orang-Utans umgeht.

Kernstück des Rehabilitierungsprogramms ist die "Orang-Utan-Akademie" im Auswilderungswald. Hier wird der allmähliche Ablösungsprozess eines Orang-Utan-Jugendlichen von seiner Mutter nachempfunden. Denn es ist wichtig, dass bei der Auswilderung nicht das alte Trennungstrauma wieder wachgerufen wird. In der Akademie werden zurzeit sieben Orang-Utans auf ihre Freiheit vorbereitet.

Aktionsplan ohne Auswilderungsgebiete

Der indonesische Aktionsplan für Orang-Utans sieht vor, dass dieses Jahr Hunderte von Orang-Utans aus verschiedenen Auffangstationen in die Freiheit entlassen werden. Allerdings fehlen die Auswilderungsgebiete. (july, 18.8.2015)

  • Auf Palmölplantagen werden Orang-Utans als Schädlinge angesehen und teilweise abgeschossen. Waisenkinder werden illegal als Haustiere verkauft.
    foto: vier pfoten

    Auf Palmölplantagen werden Orang-Utans als Schädlinge angesehen und teilweise abgeschossen. Waisenkinder werden illegal als Haustiere verkauft.

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