Pianist Arcadi Volodos in Salzburg: Witze im Nebel

18. August 2015, 15:49
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Der Musiker gastierte im Haus für Mozart

Salzburg – Die Variationen aus dem Streichsextett op. 18 von Johannes Brahms haben die Pianistin Clara Schumann schon während der Entstehung des Werks fasziniert. Auf ihren Wunsch hin hat Brahms den Satz auch für Klavier ein- und damit zugleich opulentes Futter für alle künftigen Virtuosen angerichtet. Arcadi Volodos jedenfalls hat in seiner Wiedergabe der Variationen d-Moll op. 18b aus dem Vollen geschöpft. Er hat die vielfältigen Farb- und Stimmungswechsel quasi mit breitem Pinsel auf großformatige Leinwand geworfen, die komplexen Strukturen dennoch aber erkennen lassen.

Einen üppig vergoldeten Rahmen dachte man sich im Haus für Mozart auch um die Acht Klavierstücke op. 76 ebenfalls von Johannes Brahms. Je vier leicht manisch-depressive Capriccios und vier eher lyrisch-elegische Intermezzi hat Brahms in seinem op. 76 zusammengefasst. Arcadi Voldos hat die rhythmisch, harmonisch und agogisch überaus komplexen Miniaturen wohl mit großer pianistischer Geste angelegt, dabei aber die unzähligen Nuancen innerhalb der einzelnen Nummern mit virtuoser Delikatesse herausgearbeitet.

In seiner Wiedergabe von Franz Schuberts Sonate für Klavier Nr. 21 B-Dur D 960 hat Volodos mit einigen Extremen aufhorchen lassen. Den zweiten Satz hat er nicht nur extrem langsam im Grundtempo genommen, sondern in einzelnen Augenblicken weit über das Grundmaß hinaus gedehnt. Das hat gelegentlich an Star Trek und Zeitschleifen-Knoten erinnert. Die aufregenden Basstriller im ersten Satz hat Volodos trotz großzügigen Pedalgebrauchs präzise artikuliert und genussvoll ausgekostet. Etwas weniger Pedal wäre dennoch mehr gewesen: Das Molto Moderato kam wohl mit einigen Nebelschleiern, aber wenig Tiefgang daher.

Strahlend klar und unverschleiert virtuos legte Acardi Volodos dann mit dem Scherzo los: jeder Ton auf Hochglanz poliert, der Mittelteil hübsch bockig gegen den Strich gebürstet. Das abschließende Allegro ma non troppo gestaltete der gebürtige St. Petersburger mit ungeniert musikantischem Witz. (Heidemarie Klabacher, 18.8.2015)

  • Virtuose Arcadi Volodos –  grandios bei Brahms.
    foto: columbia

    Virtuose Arcadi Volodos – grandios bei Brahms.

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