Gegen Wohnungsnot: Vorarlberg will leerstehende Wohnungen aktivieren

18. August 2015, 16:13
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Die Landesregierung will leerstehende Wohnungen auf den Markt bringen, im Herbst beginnt ein Pilotprojekt

Bregenz – Die Listen mit Wohnungssuchenden sind in Vorarlberg lang. 1.000 Menschen, die eine leistbare Wohnung brauchten, sind allein in Bregenz vorgemerkt. In Dornbirn, Vorarlbergs größter Stadt, stehen 800 Wohnungen leer, ergab eine Erhebung. Landesweit sollen es 7.000 bis 10.000 sein, genaue Daten fehlen jedoch.

Mit einem Pilotprojekt, das im Herbst in Dornbirn starten soll, will die Landesregierung leerstehende Wohnungen für den Markt aktivieren. Gemeinsam mit der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft Vogewosi und der Eigentümervereinigung soll Besitzern das Vermieten ihrer Wohnungen erleichtert werden. Leerstandsaktivierung sei eine mühsame Sache, sagt Landeshauptmann Markus Wallner (VP). Damit sich endlich etwas bewegt, beschloss die Regierung, selbst aktiv zu werden.

Hilfe beim Vermieten

Die landeseigene Vogewosi soll Wohnungsbesitzern "alles abnehmen, was mit der Vermietung zusammenhängt" (Wallner), die Eigentümervereinigung steht mit Rechtsberatung bei, das Land ermöglicht durch Haftungen niedrige Mieten. Mit 6,62 Euro pro Quadratmeter liegt man 20 Prozent unter dem Landesrichtwert. Wohnungseigentümer will man mit Hilfe der Stadt und über öffentliche Aufrufe ansprechen, sagt Wallner. 50 Wohnungen sollen in der ersten Phase verfügbar werden.

Günstige Wohnungen sind rar

Der Markt für günstigen Wohnraum habe sich seit Jahren verknappt, sagt Michael Diettrich, Sprecher der Vorarlberger Armutskonferenz. Die Politik habe zu lange zugeschaut. Weiter zugespitzt habe sich die Situation durch den Bedarf an Flüchtlingsunterkünften. Das Land solle für Asylsuchende Container aufstellen, fordert Diettrich. "Denn die günstigen Wohnungen fehlen uns für die anerkannten Flüchtlinge, die stehen dann bei uns im Dowas Schlange."

Diettrich befürchtet, dass man sich vom Projekt Leerstandsaktivierung zu viel erwartet. "Aber man muss es trotzdem ausprobieren, jede Wohnung, die auf den Markt kommt, ist wichtig."

Mietrecht veraltet

Häufigstes Argument, eine Wohnung leer stehen zu lassen, ist das Mietrecht. Daniela Eberharter von der Eigentümervereinigung nennt es starr und schlicht veraltet. Die Vereinigung betreut vor allem kleine Vermieter, die ein oder zwei Objekte besitzen. "Oft möchten sie ihre Wohnung nur kurzfristig vermieten, solange halt die Kinder keinen Bedarf haben. Das verhindert das Mietrechtsgesetz." (Jutta Berger, 18.8.2015)

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