Neue Erkenntnisse über das vor 2.500 Jahren ausgelöschte "Tiroler Troja"

19. August 2015, 13:36
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Grabungskampagne fördert neue Funde zutage – Archäologen spekulieren, wer die eisenzeitliche Siedlung verwüstet hat

Telfs – Innsbrucker Archäologen haben weitere Teile einer eisenzeitlichen Siedlung im Bezirk Innsbruck-Land freigelegt. Die jüngsten Ausgrabungen am Gföllbichl bei Mösern im Gemeindegebiet von Telfs bestätigten, dass die etwas pompös als "Tiroler Troja" bezeichnete Siedlung vor rund 2.500 Jahren mit brutaler Gewalt erobert und vollständig zerstört wurde, teilte die Gemeinde Telfs mit.

Gezielte Vernichtung

Bei der vor Kurzem zu Ende gegangenen diesjährigen Grabungskampagne stießen die Archäologen unter anderem in einem Gebäude auf der Hügelkuppe auf menschliche Skelettreste. Offenbar handelt es sich um einen männlichen Jugendlichen, der hier um das Jahr 500 vor unserer Zeitrechnung in den Trümmern des zerstörten Hauses starb und unbestattet liegen blieb, hieß es. Unter anderem wurden bei der Ausgrabung ein Teil des Unterkiefers, des Beckens, des Steißbeins sowie Finger- und Fußknochen und mehrere Rückenwirbel entdeckt.

Laut dem technischen Grabungsleiter Christoph Baur deutet alles darauf hin, dass der etwa 14-Jährige im brennenden Haus starb, als das Dorf von den äußerst brutal vorgehenden Angreifern erobert wurde: "Das Gebäude ist abgebrannt und eingestürzt, wir haben verkohlte Balken gefunden. Die Trümmer wurden dann offenbar systematisch nach Wertgegenständen durchsucht. Und danach hat man alles planiert. Anscheinend sollten das Dorf und die Erinnerung daran komplett ausgelöscht werden."

Nachbarn als Täter?

Das Ausmaß der Zerstörung sei auch daran abzulesen, dass die Skelettteile im Haus verstreut gefunden wurden. Den Bewohnern dürfte es nicht möglich gewesen sein, den Toten ordnungsgemäß zu bestatten. Das sei aber den damaligen Menschen sehr wichtig gewesen. "Vielleicht wurden sie alle vertrieben, versklavt oder getötet – das wissen wir nicht", erläutert der Archäologe. "Nach der Zerstörung wurde hier auch nie wieder gesiedelt."

Dass versucht wurde, die Spuren des vorgeschichtlichen Gewaltexzesses zu beseitigen, deute darauf hin, dass Opfer und Täter einander kannten, meinen die Experten. Der Überfall dürfte nicht von durchziehenden Horden verübt worden sein, sondern möglicherweise von Nachbarn. Es sieht so aus, als hätte hier eine Gruppe die andere vernichtet.

Neue Funde

Interessante Ergebnisse habe auch der zweite Grabungsbereich am Gföllbichl unterhalb der Hügelspitze geliefert. Dort vermuten die Wissenschafter ein Grab. Unter einer großflächigen Steinschicht stießen sie auf Mauern und Pflasterungen, die vielleicht eine Grabkammer bildeten. Menschliche Überreste – etwa verbrannte Knochenteile und Asche vom Scheiterhaufen – seien dort allerdings noch nicht aufgetaucht.

Dafür kamen neben eisernen Pfeilspitzen in beiden Grabungsabschnitten auch heuer zahlreiche kleinere, aber aussagekräftige Fundstücke zutage. Unter anderem Metallbruchstücke, eine Fibel, Wagenteile, ein Spinnwirtel, ein bearbeitetes Hirschgeweih und vor allem Keramikscherben. Alle Objekte stammten aus derselben Epoche, nämlich vom Übergang der älteren zur jüngeren Eisenzeit um 500 vor unserer Zeitrechnung. Laboruntersuchungen sollen weitere Aufschlüsse bringen. (APA, red, 19.8.2015)

  • Bei den Grabungen im Gemeindegebiet von Telfs wurden unter anderem diese eisernen Pfeilspitzen freigelegt.
    foto: apa/mg telfs/dietrich

    Bei den Grabungen im Gemeindegebiet von Telfs wurden unter anderem diese eisernen Pfeilspitzen freigelegt.

  • Artikelbild
    foto: apa/mg telfs/dietrich
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