ÖLV-Quintett nahm harte WM-Normen – Diskus-Duo sticht hervor

18. August 2015, 13:25
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Weißhaidinger, Mayer, Kemboi, Schrott und Wenth nach Peking – Dadic rückte nicht auf

Peking/Wien – Mit fünf Athleten ist Österreichs Team bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften ab Samstag in Peking das größte seit Helsinki 2005, als sechs ÖLV-Sportler antraten. Eine Medaille ist wohl außer Reichweite, ein eindeutig besseres Abschneiden als zuletzt in Daegu und Moskau, wo es 18. Plätze gab, aber Verbandsvorgabe. Zumindest laut Papierform sind Spitzenplätze im Diskusbewerb der Männer möglich.

Kemboi macht den Auftakt

Den Auftakt für Österreich macht am WM-Eröffnungstag Marathonläufer Edwin Kemboi, der seit seiner Einbürgerung vor einem Jahr erstmal bei einer internationalen Meisterschaft für den ÖLV antritt. Großkampftag für Rot-Weiß-Rot ist der Donnerstag, an dem alle weiteren vier Österreicher im Einsatz sind – Gerhard Mayer und Lukas Weißhaidinger in der Diskuswurf-Qualifikation, Beate Schrott im Vorlauf über 100 m Hürden und Jennifer Wenth in jenem über 5.000 m. Kemboi, Weißhaidinger und Wenth sind WM-Debütanten.

"Man sieht einen eindeutigen Aufwärtstrend. Keiner der fünf ist ins Teilnehmerfeld nachgerutscht, alle haben die verschärften Limits erbracht", sagte Hannes Gruber, der Sportdirektor im Österreichischen Verband. "Ich hoffe, dass sich der Aufwärtstrend in der österreichischen Leichtathletik der letzten Monate in Peking auch in den Resultaten widerspiegelt", meinte ÖLV-Präsident Ralph Vallon. Gregor Högler, Vizepräsident Leistungssport im ÖLV und Nationaltrainer, glaubt an die Finalchance. "Auch wenn das hochgesteckt ist, aber das muss unser Ziel sein."

Dadic nicht nachgerückt

Beim Auffüllen der Startlisten durch den Weltverband nicht zum Zug kam Siebenkämpferin Ivona Dadic, die bei der U23-EM mit dem ÖLV-Rekord von 6.033 Punkten Bronze gewann und die WM-Norm von 6.075 knapp verpasste. "Sie bleibt in Bombenform daheim, das tut extrem weh", sagte Gruber.

Es sei zu hinterfragen, ob man nicht statt Athleten mit dem Limit aus 2014 solche mitnehme, die 2015 knapp an der Norm vorbeigezogen seien, meinte Gruber. Der mit seiner 2014-Norm qualifizierte Zehnkämpfer Dominik Distelberger sagte wegen Achillessehnenproblemen für China ab.

Im Gleichschritt ins Finale der Top-12 einziehen könnte Österreichs Diskus-Duo, denn es mischt weitenmäßig heuer in der Weltspitze mit. Mayer verbesserte am 5. Mai in Schwechat den von ihm gehaltenen österreichischen Rekord von 65,24 auf 67,20 m, Weißhaidinger legte ebendort am 1. August mit 67,24 noch etwas drauf. In der Jahresweltbestenliste sind die beiden damit Fünfter bzw. Sechster, so auch in der WM-Meldeliste. In Führung liegt der Pole Piotr Malachowski mit 68,29.

Stärke Diskus

"Zwei so weit vorne, das muss man genießen. Wichtig war, die beiden zur WM zu bringen, nun werden die Karten neu gemischt. Aber es ist ein schönes Gefühl, zu zweit gegen den Rest der Welt anzutreten", sagte Nationaltrainer Högler. "Ich freue mich sehr, wo doch die Limits so nach oben geschraubt worden sind." Um überhaupt eine Chance für die Qualifikation zu haben, wurde in Schwechat eine Wurfserie ausgeschrieben, der Wurfkreis kann ideal zur vorherrschenden Windrichtung gelegt werden. International ist so ein Vorgehen längst üblich und bei Normen von 66,00 m nicht verwunderlich.

Weißhaidinger überlässt bei seiner ersten WM nichts dem Zufall und hat beim Meeting am Samstag in Andorf nicht nur 61,50 m geworfen, sondern auch bereits den zeitlichen Ablauf für sein Debüt im Vogelnest-Stadion geprobt. "Ich will möglichst gut vorbereitet sein, muss wissen, wie lange ich zum Aufwärmen, zum Einwerfen brauche. Es sind die Besten der Besten der Welt am Start. Dass ich mit der Zeit zusammenkomme, gibt mir Sicherheit, da habe ich eine Sorge weniger. Ich habe alles abgehakt, bin bereit für den Wettkampf und will so viel Spaß wie möglich haben." Mayer, Achter der Berlin-WM von 2009, ließ sich zuletzt an der Plantarsehne behandeln, ist für Peking aber fit.

Schrott akklimatisierte sich im Vorbereitungscamp in Japan. Die Niederösterreicherin machte dort auch noch Hürden-, Start- und Fitnesstraining. "Mein Ziel ist es, den Vorlauf zu überstehen. Es wäre vermessen zu sagen, ich will in das Finale. Es ist international wirklich ein sehr hohes Niveau. Ich bin noch nicht in Höchstform, aber sicher, dass ich in die Nähe meiner Bestleistung laufen kann, wenn die Bedingungen gut sind", sagte die Olympia-Achte und EM-Dritte von 2012, die seit ihrem Superjahr mit 12,82 Sekunden den ÖLV-Rekord hält, vor ein paar Tagen. Heuer kam sie auf 12,92 und ist damit 23. von 38 auf der Meldeliste.

Das Potenzial von Wenth

Wenth erwischte in Heusden-Zolder ein perfektes Rennen über 5.000 m, mit persönlicher Bestleistung von 15:16,12 Minuten knackte sie das Limit für die WM und Olympia 2016 in Rio, das auch die beiden Diskuswerfer und Schrott bereits erbracht haben. "Wir wussten, dass Jenni das Potenzial dazu hat, die große Frage war aber, ob sie die Gelegenheit dazu bekommt, denn Teilnehmerfeld, Witterungsbedingungen und Tagesform müssen für so ein Rennen passen", erklärte Sportdirektor Gruber. "Am 18. Juli in Heusden ist alles aufgegangen, es war spät am Abend, windstill und ein tolles Feld." Wenth nimmt auf der Meldeliste den 19. Platz unter 31 ein.

Den WM-Auftakt aus österreichischer Sicht macht der gebürtige Kenianer Kemboi. Der 31-Jährige lebt mit seiner Kärntner Frau die meiste Zeit des Jahres in Iten in Kenia, wo er perfekte Trainingsbedingungen vorfindet. "Ich möchte einfach fähig sein, alles für Österreich zu geben, und viel Erfahrung bei meinem ersten Großevent sammeln", sagte Kemboi, der in Peking von Gruber betreut wird. "Er ist einer, der akribisch arbeitet, der leistungswillig ist", betonte der Sportdirektor. Wichtig werde für Kemboi sein, dass er eine Gruppe findet, mit der er mitläuft. Kemboi wie Mayer blicken übrigens Vaterfreuden entgegen. (APA; 18.8.0215)

  • Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger ist in bestechender Form.
    foto: apa/hackl

    Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger ist in bestechender Form.

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