21.000 Flüchtlinge binnen einer Woche in Griechenland

18. August 2015, 12:48
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UNHCR: Rhythmus der Ankünfte erhöhte sich zuletzt beständig – Deutschland hebt Flüchtlingsprognose an

Berlin/Genf – Neuer Rekordwert in Griechenland: Innerhalb nur einer Woche (8. bis 14. August) haben 20.843 Schutzsuchende das EU-Land erreicht, wie das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR am Dienstag in Genf mitteilte.

Das sind fast halb so viele wie im gesamten Jahr 2014, als 43.500 Flüchtlinge Griechenland erreichten. "Der Rhythmus der Ankünfte hat sich in den vergangenen Wochen beständig erhöht", betonte das UNHCR.

Überfordert

Das schwer unter der Schuldenkrise leidende Griechenland ist nach UN-Einschätzung durch immer weiter steigende Flüchtlingszahlen überfordert und braucht dringend Unterstützung. "Wir warnen seit Monaten, dass die Flüchtlingskrise in Griechenland immer schlimmer wird", sagte der Sprecher des UN-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR, William Spindler.

"Die Infrastruktur für Aufnahme, Betreuung und Registrierung auf den griechischen Inseln und auf dem Festland muss dringend gestärkt werden", fügte er hinzu. Die UN-Organisation rät der Regierung in Athen, zu diesem Zweck ein Sondergremium zu schaffen, das alle Aktivitäten zur Aufnahme und Unterstützung der Flüchtlinge koordiniert. Dazu sei auch Hilfe von der EU nötig: "Europäische Staaten sollten Griechenland dabei unterstützen."

Zivilschutz-Mechanismus

Erst vergangene Woche kündigte EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos an, Athen werde weitere Nothilfe bei der EU-Kommission für Asyl beantragen. Außerdem werde Griechenland den Zivilschutz-Mechanismus der EU auslösen. Dadurch sei weitere Unterstützung mit Material und Expertise durch die EU-Staaten in der Ägäis möglich.

Die meisten der in den vergangenen Wochen nach Griechenland geflohenen Menschen kamen nach UNHCR-Angaben aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Ein Großteil von ihnen erreichte Griechenland auf dem Seeweg aus der Türkei und kam auf den nahegelegenen Inseln Kos, Lesbos, Samos und Chios an. Viele Flüchtlinge leben oft wochenlang an den Stränden und auf den Straßen, bevor sie schließlich registriert werden und nach Athen weiterreisen können.

Womöglich 750.000

Die deutsche Bundesregierung wird unterdessen ihre Flüchtlingsprognose voraussichtlich stark anheben. Die neue Vorhersage des zuständigen Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, die Innenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch vorstellen wolle, werde "drastisch" höher ausfallen als die bisherige, berichtet das "Handelsblatt" (Dienstag).

Demnach könnten in diesem Jahr 650.000, womöglich sogar 750.000 Asylbewerber nach Deutschland kommen. Bisher hatte die deutsche Bundesregierung mit 450.000 gerechnet, schrieb das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise. (APA, red, 18.8.2015)

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